Titelgeier/Titelgier
Das ist widerlich, die Eitelkeit der Beteiligten, die alle in die Titel drängen; es dauert fast sechs Minuten, bis endlich der Regisseur kommt. Das ist extrem kleinkariert, so ein bescheuerter Zirkus der Wichtigtuerei, des Aufplusterns. Den Normalzuschauer interessieren diese Namen einen Dreck, bis auf die Protagonisten, allenfalls der Regisseur noch. Aber wer kennt schon einen Daniel Rübesam oder den Autor Michael Vershinin; Vershinin: tv-versierter Autor.
Prinzipiell ist Fernsehen, speziell wenn es in Niederbayern spielt, besonders gewöhnungsbedürftig, wenn man grade vorher die neueste Folge der Eberhofer-Krimis geschaut hat, die auch in Niederbayern spielt. Wie ganz anders da Lokalkolorit und Mentalität beobachtet und umgesetzt werden. Ok, es ist unfair, die beiden miteinander zu vergleichen; ist auch zu schmerzlich. Gerade am Schauspieler Ostrowski fällt das besonders auf; nicht dass wir ihn und seine Partnerin Marie Leuenberger nicht schätzten, aber im Eberhoferkirmi spielt er eine Klasse bessser. Wie ungelenk Passau gegen Niederkaltenkirchen abstinkt. Das hängt mit Drehbuch, Rollenentwicklung und Regie zusammen. Daran kann man sich auch klar machen, wie bedeutungslos all die Namen, die hier im Fernsehen sich eitel im Vorspann drängeln und auf die Füße treten, im Vergleich zu Autor und Regie sind. Sie haben da nichts zu suchen. Man sieht auch, wie unwichtig die Caster sind; hier ist es beide Male dieselbe Dame. Und Filme und Schauspielerleistung sind so unterschiedlich. Hier wirkt alles hausbacken, das Ensemble inhomogen. Wer dafür grade stehen will, der darf in den Vorspann.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte höhere Ansprüche stellen und sich nicht als Sandkasten für unausgereifte Talente verstehen oder dann mit Formaten wie dem kleinen Fernsehspiel, ZDF. Die sollten mit wenig Geld erst lernen, Geschichten zu erzählen und dann erst größere öffentlich-rechtliche Budgets an die Hand bekommen.
Deprimierend ist, wie schnell man sich an so ein bescheidenes Niveau an Performance und Inszenierung gewöhnt. Da reicht das Routinestorywritinglevel eines Vershinin immerhin aus, dass man dranbleibt.
Man wundert sich, wie der Regisseur zu diesem bestimmt ordentlich bezahlten Auftrag gekommen ist. Gab es eine Ausschreibung? Hat er sich gegen qualifizierte Bewerber durchgesetzt? Mich als Zwangsgebührenzahler ärgert es, dass ich für solch mediokre Leistung zur Kasse gebeten werde. Die Leute sollen sich ihre Sporen woanders verdienen. Wie ist der Regisseur zu seinem Job gekommen? Das würde ich gerne mal wissen! Ein Regisseur, der die Schauspieler so allein lässt, sie sich so schlecht verkaufen lässt. Kann er gut mit den Redakteuren, hier sind es Claudia Luzius vom BR und Kathrin Kirchen von ARD Degeto? Die Situation ist unbefriedigend, dass solche Produkte keine bessere Qualität haben, gerade so über die Runden gerettet vom Netz des Drehbuches. So sind das auf jeden Fall Produktionen, die die Öffentlich-Rechtlichen ohne irgend einen Verlust an Renomme, ohne eine Verletzung ihres Grundauftrages problemlos streichen können. Gerade noch der Charme der beiden Hauptdarsteller als Trostpflästerchen.
Was außerdem zur Erträglichmachung positiv beiträgt ist der Sound aus Elektro und Unterwasser.
Ein Krimi, der mit einem ungelösten Mordfall aufhört. Vielleicht ist das ja der nächste Fall. Aber der Zuschauer weiß schon Bescheid. Und leid tut es ihm auch nicht um das Opfer.
Rote Karte des Zwangsgbührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.
Wer früh genug im Vorspann steht, ist später leichter zu finden. Ich spreche da aus Erfahrung, denn schließlich steht mein früheres Projekt, der Besserwerberblog, bis heute in Eurer Blogroll – wenngleich er seit fast 10 Jahren nicht mehr online ist…. Danke dafür. 🦌
Schön, dass Ihr schon so lange bloggt.