Papamobil – Ein Papst on Tour (DVD)

Schweizer Gardistengeflüster

Die saloppe Klerikalkomödie von Sylain Estibal, der mit Myriam Tekaia auch das Drehbuch geschrieben hat, gibt sich aus als eine Geschichte, die Schweizer Gardisten im Vatikan kolportieren, mit dem Zusatz, so genau wisse keiner, ob sie auch stimme und ob sie sich so zugetragen habe.

Realistisch ist die bankrotte Situation der Kirche und dass sie dringend Geld braucht. Hier ist der Vatikan sogar pleite. Ein neuer Papst ist gewählt. Kad Merad spielt ihn anfänglich mit deutlich ausgestelltem Kleriker-Habitus. Zu seinen Ehren ist ein neues Papstmobil angeschafft worden. Es ist mit allerlei Kirchenritualbrimboriumsfirlefanz ausgestattet.

Das neue Kirchenoberhaupt wird mit dem ernsten Problem der desaströsen Finanzlage konfrontiert, wie er als erstes eine Reise nach Lateinamerika unternehmen möchte. Wenn sich kein Sponsor findet, wird nix daraus.

In Mexiko wird die Kirche fündig bei der Kommandantin Francoise (Myriam Tekaia). Sie ist die Chefin eines der größten Drogenkartelle des Landes und stellt ihre Bedingungen für eine Spende. Schon vor Ankunft des Papstes sind überall Plakate zu sehen mit ihr und dem Papst. Als Gegenleistung des Vatikans verlangt sie ein Konto bei diesem, weil sie es für sicher hält. Wieviel? Sie antwortet mit Tonnen, nicht mit Währungseinheiten.

Der Papst absolviert seinen Besuch – das Drehbuch macht teils kühne Sprünge – und ist schon wieder auf dem Weg zum Flughafen, ohne die großzügige Spenderin getroffen zu haben. Diese hat inzwischen mit der ihr vom Vatikan geschickten Kreditkarte eine negative Erfahrung gemacht. Sie will den Papst unbedingt treffen. Und kommt er nicht freiwillig, so benutzt die Kartellchefin Gewalt. Mariacchis stellen sich dem Papamobil in den Weg, ein Junge spendet dem Papst einen Hut. Wie er ihn aufsetzt, ist das das Zeichen für ein Gemetzel.

Die Musiker sind verkleidete Killer von Francoise. Sie entführen den Papst. Der Film hat allerdings für den Begriff des Papamobils noch eine zweite Deutung bereit und die führt zu zusätzlichen Irritationen, Aktionen und Aktionismus, ist Anlass für eine Verwechslungskomödie, die die Werte der Kirche, so wie es sich für Schweizer Gardistengeflüster gehören mag, auf den Kopf stellt, die auch schöne Pointen bereit hält, wenn der Papst eine Generalerneuerung der Kirche vorschlägt, sich in einer Situation sieht, wie einsten Jesus, ganz am Anfang.

Der Film ist vielleicht nicht ganz so plump wie Das Nonnenrennen, trotzdem empfiehlt es sich, dazu einen Weihrauchschnaps zu genehmigen, falls so ein Getränk existieren sollte. Konklave dagegen ist ein deutlich anderes Kaliber von Film zum Thema Kirche.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert