Strange River

Erste Liebe

Dídac (Jan Monter) ist verliebt in einen Jungen. Dieser hat ihn auf einem Fest geküsst. Er war alkoholisiert, die Eltern haben das gesehen und ein Kommentar dazu lautet, dass der Junge wohl alle küsse, wenn er getrunken habe. Dídac gibt traurig zu verstehen, dass dem so sei und dass er auch ein Mädchen geküsst habe. Die Gefühle werden nicht erwidert.

Die Eltern sind verständnisvoll. Der Vater (Jordi Oriol) erzählt seinem Sohn in einem Gespräch von seiner ersten Verliebtheit. Und auch die Mutter (Nausicaa Bonnín) erzählt ihm bei einem Spaziergang von ihrer ersten Liebe. Sie meint noch, der Junge sei dumm, dass er die Liebe zu ihrem Sohn nicht erwidere.

Der Film von Jaume Claret Muxart, eine katalanisch-deutsche Koproduktion, begleitet die Familie; außer Dídac, 16, ist da noch Biel (Bernat Solé Palau) und der deutlich kleinere Guiu (Roc Colell Moncunill), auf einer Radtour der Donau entlang.

Für Dídac dürfte es der letzte gemeinsame Familienurlaub sein. Um seine Gefühle, um das, was in ihm vor sich geht, interessiert sich der Film und ist hautnah dran. Im Zelt von den drei Buben, wie sie dicht aufeinander hocken. Bei Fahrten des Fahrradkonvois rast die Kamera mit. Der River ist natürlich nicht strange, weil es die Donau ist, es ist das die subjektive Projektion des Protagonisten, der in dieser schwierigen Siutation des Irgendwie-nicht-mehr-zu-Hause und doch noch Nirgendwo-anders-Seins.

Die Eltern sind Künstler. Mutter ist eine bekannte Schauspielerin. Sie ist gerade dabei, einen Text über Empedokles vorzubereiten. Einmal soll der Sohn sie abhören. Papa will seiner Familie unbedingt eine Location seines Studiums, das mit Kunst zu tun gehabt haben muss, zeigen: einen Gebäudekomplex der Hfg Ulm, der von Max Bill gebaut wurde. Ein Labyrinth.

Ein weiteres Labyrinth ist eine Wohnanlage. Hier erscheint Dídac das erste Mal der deutsche Junge Alexander (Francesco Wenz). Ab jetzt ist nicht ganz klar, wie weit das Träumerei ist, wie weit Realität.

Als ungewöhnliches Symbol gibt es mit dem Boot, mit dem die beiden abhauen, eine Fahrt durch eine Schleuse, und zwar abwärts. Dinge, die den Fluss zu einem seltsamen Fluss machen lassen. Manche Träume gehen dabei in Erfüllung, andere nicht. Der Film macht spürbar, wie diffizil dieser Übergangsmoment im Leben sein kann.

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