Die objektivste Behörde der Welt,
so lautet die Selbstdefinition der Staatsanwaltschaft irgendwo, bei Dreseden?, im Osten Deutschlands, die im Zentrum dieses ungewöhnlich spannenden Gerichtsthrillers (sage einer, die Deutschen können Gerichtsthriller nicht!) von Faraz Sharia (Futur Drei) nach dem Buch von Sun-Ju Choi, Jee-Un Kim und Claudia Schaefer steht.
Diese Staatsanwaltschaft verbindet eine Schnittmenge mit Rechtsradikalen. Da die interne Richtlinie die ist, 80 Prozent der Verfahren einzustellen, um den gewaltigen Anfall überhaupt irgendwie zu erledigen, fallen Ungereimtheiten und Nachlässigkeiten weiter nicht auf.
Staatsanwältin Seyo Kim (Chen Emilie Yan) wird mit einem kurzen Blick in ein Verfahren um einen fremdenfeindlichen Vorfall vorgestellt und wie sie die Einstellung des Verfahrens unter fadenscheinigen Begründungen hinnimmt. Dann wird sie selber Opfer eines Brandanschlages. Da blitzt kurz Genre pur auf, wie sie allein durch die Unterführung geht, angefahren wird und dann von oben ein Brandkörper auf sie geworfen wird, sie zur Fackel machend.
Der Film schreitet flott voran, hält sich nirgendwo unnötig auf mit bremsenden Details. In der nächsten Szene sind die Brandnarben am Hals gut sichtbar. Mit Hilfe der Anwältin Tiedemann (Julia Jentsch) versucht sie, sich Recht zu verschaffen. Nicht leicht in einem unerquicklichen Gestrüpp, einem Sumpf von unsauberen Verstrickungen von Teilen der eigenen Staatsanwaltschaft mit rechtsextremistischen Kreisen.
Kim erhält zwar einen minimalen Schutz, vor allem einen genrefilmergiebigen Dodge, der zwar keine Maschinengewehrsalven abwehren kann, aber immerhin bullig ausschaut.
Kim – sie ist eine großartige Protagonistin – fängt selber an, zu recherchieren. Typisch wohl für Realität wie auch für das Genre: bald stößt sie auf Abwehr. Vor allem Oberstaatsanwalt Forch (Arnd Klawitter), möchte nicht, dass sie den eigenen Fall weiter verfolgt. Auch hier gibt es seichte Vorwände.
Jetzt lassen die Autoren das Selbstjustizelement in den Film einfließen, wie sie recherchiert, wie sie sich Zugang zu den Akten, den sie nicht haben dürfte, verschafft, alles nicht vorschriftskonform, wie sie Zeugen aufsucht, Opfer, wie sie in ihrem geräumigen, aber nicht eingerichteten Loft, auch das vielleicht eher der Laune des Kinos zuliebe als dem Realismus verpflichtet, seriöse Detektivarbeit leistet mit Diagrammen und Bildern und Texten, die sie ans Fenster peppt und so für sich Zusammenhänge sichtbar und beweisbar macht.
Sie findet einen halbherzigen Unterstützer im noch relativ jungen Oberstaatsanwalt Quant (Sebastian Urzendowsky). Sie stößt auf einen Parallelfall. Sie erlebt eine übergriffige Polizei, aber beim entscheidenden Prozess doch einen Richter, der sich offensichtlich bemüht, ein gerechter Richter zu sein, frei von Vorurteilen und Parteinahmen. So dass der Film gegen Schluss launig ins Genre abdriften kann mit heulendem Dodge-Motor in einer spärlich beleuchteten Nacht und mit roten Titeln im Abspann.