Purge mit umgekehrten Vorzeichen
Die Reihe mit den Purge-Filmen hat Furore gemacht. Für eine Nacht werden alle moralischen Regeln in den USA ausgesetzt. Es gilt dann das oberste Gebot der Selbjustiz. Jeder darf, der irgendwie kann, wen er nicht mag, töten oder was auch immer, ohne dass er dafür zur Rechenschaft gezogen werden würde.
Autor Travis Braun hat das Prinzip umgekehrt. In den USA – unter diesem Präsidenten, der längst zum Kriegspräsidenten mutiert ist und der von den Evangelikalen unterstützt wird, gelten strenge moralische Regeln für das Sexleben außerhalb der Ehe. Das ist strengstens verboten.
Aber, jetzt kommt die positive Ausnahme, der positive Purge, eine Nacht im Jahr ist Freisex-Nacht. Jeder darf mit jeder oder jede mit jedem. Homosexuelle Beziehen spielen keine Rolle, eine Lesbe meint, das Sexverbot habe für sie keine Geltung. Schönes heterosexuelles Amerika.
Der Film kommt wie ein One-Night-Stand daher; er ist gemacht wie ein Kondom: zur einmaligen Benutzung. Keine Beziehung, keine Tiefe. Er führt, in der Regie von Will Gluck, zwei Hauptfiguren ein.
Owen (Callum Turner) und Allie (Monica Barbaro). Beide stehen am Beginn der Nacht ohne Partner da. Das Schicksal führt sie nach dem ersten Zusammenprall immer wieder einander über den Weg. Es ist ein Film, der maximal konstruiert wirkt. Es ist ein Anbandelfilm.
Dazwischen gibt es ein Potpourri unterschiedlicher Anbandelmethoden. Die Intention ist bestimmt eine witzige. In der Nacht geht es turbulent zu und her. Die Konstruktion hat Methode.
Dem Film fällt immer wieder was ein, warum aus einer Anbandelung dann doch nichts wird und warum die beiden Protagonisten sich nochmal und nochmal und nochmal über den Weg laufen und sich wieder aus den Augen verlieren. Bis schließlich auch sie, fünf vor Ende der Nacht, den Wink des Schicksals kapieren.
Bemerkenswert an Alli: sie ist eine schüchterne Sängerin, die nur im Studio arbeitet. Dort ist sie zu erleben beim Einsingen einer Textschlaufe, die von Schuppenflechte handelt. Drogerie- oder Pharmawerbung.