Der Heimatlose

Regiezampano am Werk

Der Film von Kai Stänicke erinnert nicht nur vom Setting her an den Film „Dog Ville“ von Lars von Trier, auch als Schauspielerbändiger, als Regiezampano mit einem Auge für gute Schauspieler scheint dem dänischen Meister ein Schüler auf den Fersen.

Eine thetral gekünstelte Welt, ganz klar als Kulissendorf in einer ein Viertel Fußballplatz großen Kuhle in den Dünen einer Ostseeinsel aufgebaut. Hier kann der künftige Meister alles im Griff haben, wenn nicht grad Flugzeuglärm stört oder ein Sturm. Beides kommt nicht vor.

Der Film spielt in einer grauen Vorzeit in einer beispielhaften, armen Gemeinde. Modellhaft. Exemplarisch.

Theatral gekünstelt sind auch die Dialoge, am Rande zum Vershaften, leicht gestelzt, just den Eindruck einer dialekthaft-individuellen Ortsidentität vermeidend.

Es ist die Geschichte eines verlorenen Sohnes; eine Lehrstunde über kollektive Verdrängung oder kollektives Nichtwahrhabenwollen von Dingen; welcher genau, das mag der Zuschauer analysieren.

Hein (Paul Boche) ist der Abgängige. Vor 14 Jahren hat er die Insel überraschend verlassen. Ein Sakrileg gegen die Gemeinschaft. Er wollte auf dem Festland Lehrer werden und dann zurückkommen. Da ist wohl was dazwischengekommen. Auch da ist der Film ganz streng.

Der Film fängt mit dem Segelboot auf dem Meer an. Und hört damit auch auf. Dazwischen die Insel, in der das Modell einer überschaubaren Menschengemeinschaft exerziert werden kann, ihre Probleme mit der Identität und mit der Wahrheit. Das scheint dort das einzige Spiel zu sein und das kommt immer wieder vor.

Vielleicht auch ein dogmatischer Film, ein Film, der dem Zuschauer eine Belehrung erteilen will über menschliches Verhalten.

Storymäßig könnte der Autor auch inspiriert sein von Stiller von Max Frisch, der kürzlich verfilmt worden ist. Ein Mensch kehrt zurück und keiner will ihn kennen. Auch eine Parallele zum neuesten Spider-Man.

So ist es mit Hein. Das erinnert an Odysseus, der grad spaktakulär wieder heimgekehrt ist und keiner hat ihn erst erkannt. Dort sind es der Hund und dann der Sohn. Hier will es erst niemand sein.

Die resolute Dorfvorsteherin Gertrud (Julika Jenkins) schlägt eine Verhandlung darüber vor, ob er Hein sei oder nicht. Interessant vielleicht auch die Namensgebung, Hein als allegorische Bezeichnung für den Tod; für die Inselbewohner muss Hein – und damit auch seine Lebens- und Liebesauffassung – sowas wie tot sein. Selbst seine besten Kumpels von damals, Friedemann (Philip Froissant) und Greta (Emilia Schüle) wollen ihn erst nicht wiedererkennen. Wie es sich ausgeht mit den Befragungen und den Treffen zwischen Hein und einzelnen Bewohnern, soll nicht gespoilert werden.

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