Two Mike Mike Delta Whisky
ist die Kennzeichnung der Cessna, mit der Hig (Jacob Elordi) sich in einem dystopischen Amerika auf die Suche nach dem American Dream macht. Das steht nicht so im Drehbuch von Peter Heller, Mark L. Smith und Christopher Wilkinson, das Ridley Scott mit gewohnt souveräner Kinematographie (die immerhin hat die Apokalypse überlebt) umgesetzt hat, das ist die Interpretation des Schreiberlings.
Es ist 2035, ein Virus hat die Welt kaputt gemacht. Es gibt einzelne Rückzugsorte und es gibt, wie Zombies, allüberall Reapers. Hig hat sich mit seinem Hund Jasper und mit Bangley (Josh Brolin; auch der liefert souveräne Starroutine ab) auf einem einsamen Flugplatz in der Nähe von Denver zurückgezogen. Mit gelegentlichen Flügen nach Denver versorgt Hig sich und Bangley mit dem Nötigsten, die Stadt ist wie ausgestorben, sie muss fluchtartig verlassen worden sein.
Hig weiß, wie er aus einem Tank Treibstoff zapfen kann und auch wo er andere lebensnotwendige Güter findet. Irgendwie muss auch ein dystopischer Film plausibel machen, wie die Überlebenden mit gewissen minimalen Industriegesellschaftsstandards weiterexistierend können.
Auf dem kleinen Flugplatz, auf dem eine Menge Kleinflugzeuge deutlich unbrauchbar rumstehen, müssen die beiden Bewohner abwechselnd Wache halten. Wenn Reapers auftauchen, werden sie abgeknallt und verbrannt.
In Denver fällt einem der Satz ein: treffen sich zwei Amerikaner in einer leeren Stadt, was tun sie? Richtig, sie schießen erst aufeinander, bevor sie sich kundig machen, wer der andere ist. Hier überlebt Hig, denn sonst wäre der Film schon zu Ende, bevor er richtig angefangen hat.
Die Suche nach dem amerikanischen Traum geht weiter. Ridley Scott ist nicht der einzige amerikanische Filmemacher, der sich damit beschäftigt angesichts der desaströsen Politik des jetzigen Präsidenten, der wohl in Iran den dümmsten aller dummen amerikanischen Kriege der letzten Jahrzehnte angezettelt hat. Da stellen sich Grundsatzfragen zu Amerika, wie es sich mit dem Westernheroismus und dem damit propagierten Gefühl von Freiheit, zu dem unabdingbar der Besitz einer Waffe zählt, noch identifizieren kann; dies überprüfen muss.
Hig kennt auch eine kleine überlebende Mormonen-Gemeinde. Da gibt es viele Kinder. Die bekommen Dinge aus der Stadt. Higs Wunsch nach Kindern wurde mit dem Tod seiner schwangeren Frau nicht mehr erfüllt. Er selbst, das erzählt er in einem besinnlichen Moment, habe die entsprechenden Apparaturen abgestellt, um ihr noch mehr Leiden zu ersparen. So viel Sentiment sei einem modernen Helden, der dem amerikanischen Traum nachjagt, zugeschrieben.
Der Film ventiliert weitere Ideen zu dem Thema.
Über einen Absturz in dicht bewaldetem Gebiet stößt Hig auf die junge Frau Cima (Magaret Qualley), oh, da keimt sie schon im Zuschauerhirn, die Hoffnung, dass doch noch etwa weitergehen könnte.
Cima lebt mit ihrem Vater Pops (Guy Pearce) ein einsames Siedlerleben, einen ursprünglichen amerikanischen Traum. Sie müssen ständig auf der Hut sein vor den Reapers und sind höchst misstrauisch dem Gast gegenüber, der in der Nähe notgelandet ist. Hier entwickelt sich der Ansatz eines ursprünglichen Siedlertraums.
Eine Funkverbindung gibt es immer wieder zu einem Flughafen namens Grand Junction. Diesen benutzen die Drehbuchautoren für die Erinnerung an ein hochgezüchtetes Amerika. Das wirkt wie ein weiterer, verzweifelter Versuch, irgendwie die Idee vom amerikanischen Traum noch zu retten.
Allein, wir würden dem Film eine tief pessimistische Grundhaltung zuschreiben, dass da nichts mehr zu retten sei. Da man den Zuschauer aber mit so einer Einsicht nicht aus dem Kino entlassen kann, haben sich die Autoren kurzerhand eines bewährten Mittels, zum Ende zu kommen, bedient, grad tröstlich ist das nicht, es wirkt wie ein rein formales Amen in der Kirche.
Funny ist die Produktwerbung für Sprite und Cola: in dystopischer Umgebung kommen die so hoffnungsfroh rüber wie nichts sonst, sie bieten sich direkt als Weltenretter an. Unbezahlbar.