Ein attraktiver Mann,
das ist Jeo No Rae, der Koreaner, blendend aussehend wie ein Filmstar, das ist ein enormes Pfund gerade für einen Dokumentarfilm, er ist initiativ, immer fällt ihm was ein, er hat Humor, ein verschmitztes Lächeln. Kein Wunder, dass die Filmemeacherin Susanne, wie sie ihn in Damaskus kennenlernt, sich verliebt. Sie war dort, weil ihr Vater für die DDR in Syrien Getreidemühlen baute. Er war dort, weil er die besten Rezepte für Falafel kennenlernen wollte. Sie heiraten, Tochter Hannah kommt bald. Aber er bleibt nicht bei der Familie. Jahre ist er unterwegs, macht diesen Job da, jenen Job dort.
Susanne bringt sich und ihre Tochter durch, arbeitet neben dem Filmemachen her, Concierge. Zu Beginn der Dreharbeiten ist Hannah 14, bildhübsch nicht minder als der Papa, schon der zweite starke Punkt für den Film.
Jeo No Rae ist zu der Zeit gerade in Korea, hat dort einen Hähnchengrill-Imbiss eröffnet, lebt bei seiner Mutter Sunja. Mutter und Tochter besuchen den abtrünnigen Vater in Korea. Koreanisch sprechen sie nicht; man verständigt sich auf Englisch oder mit Übersetzer.
Um nicht einen allzu ernsten Film zu machen, buntet die Regisseurin ihn mit Performance-Auftritten in absurd fleischlichen Kostümen auf. Auf die Frage, als welches Tier ihr Mann sie sehe, meint er ein Hippo, und schont füllt Susanne die Leinwand als Hippo (erinnert an die Ausstattung des neuen Jelinek-Stückes in Salzburg). Oder sie tanzt als gerupftes Huhn durch die grünen Felder Koreas oder mit Megaphon durch eine Markthalle mit Frauenforderungen.
Die Tochter ist nicht glücklich über diese Art von Familienleben. Sie könnte den Vater wohl gebrauchen, hätte ihn gebrauchen können, aber der war jahrelang weg. Er sieht die Probleme, er sieht den Wunsch seiner Frau, ihn in die Familie einzubauen. Aber er kann nicht, meint er. Und schon gar nicht in Deutschland leben. Dort sei er ein „invisible man“.
Nach dem Besuch von Frau und Kind in Korea gibt es tatsächlich einen Gegenbesuch des Vaters mit seiner Mutter in Deutschland. Auch Schloss Neuschwanstein wird besucht. Dort ist Jeo No Rae fasziniert von einem Souvenir-Automaten, der für drei Euro einen Null-Euro-Schein mit dem Bild von Neuschwanstein ausspukt.
Niemand ist glücklich über diese familiäre Konstellation, nicht die Elterngeneration, nicht die Beteiligten. So kommt Jeo No Rae nach Deutschland mit der guten Absicht, für seine Familie dazusein. Er nimmt einen Job an, was halt möglich ist, in einer Hühnerfabrik Kücken aussortieren.
In Deutschland starten die beiden einen paarthearpeutischen Versuch, in dem er zu verstehen gibt, dass es ihm schwer fällt, Gefühle auszudrücken. In Korea wurde offenbar, dass zwei seiner Brüder schon als Kinder gestorben sind; Vater war Alkoholiker und ist auch verstorben. Am Schluss des Filmes ist die Familie zusammen, aber es entsteht nicht der Eindruck, dass Jeo No Rae das lange durchziehen wird.
In diesem Film werden nicht nur prinzipielle Gräben des Themas Culture Clash sichtbar, auch die Rissigkeit des Gebildes Familie zeigt sich krass.
Wer Augen im Kopf hat sieht in jeder Szene des Films, dass Jeo No Rae die insistierende, nicht locker lassende, immer sich im emanzipatorischen Westlerinnen-Recht fühlende Kim körperlich zu hassen begonnen hat: Mühsam kann er seine Gesichtszüge für den Film unter Kontrolle halten, um nicht die innere Abwehr allzu sichtbar werden zu lassen. Und ja, Jeo No Rae ist wirklich unglaublich gutaussehend, schön, graziös, feingliedrig, wendig, geschmackvoll, leise, vorsichtig und Kim tatsächlich das Nilpferd, das sich den bestaussehendsten Jungen geangelt hat, der aber jetzt domestiziert werden muss und dafür doch irgendwie auch dankbar zu sein hat. Ein klassisches Modell wie es „Angst essen Seele auf“ künstlerisch soviel einfühlsamer verarbeitet hatte.