CRF-Camp,
kurz nennen sie es Chemo-Camp. Das sind junge Menschen bis 18 Jahre, die bereits eine Leukämie und Chemotherapie oder gar eine Knochmarktransplantation überlebt haben.
Patrick (Patrick Harris) ist der Leiter dieser vierwöchigen Sommererfahrung für die jungen Menschen irgendwo auf dem Land in Schottland. Ivy (Bella Ramsey) ist in diesem Film von George Jacques die Hauptfigur. Sie lebt nach erfolgreicher Chemo wieder bei ihren Eltern, Bob (James Norton) und der extrovertierten, überfürsorglichen Mutter Karen (Jessica Gunning).
Ivy ist ein geradeaus Typ, der sagt, was sie denkt, voller Misstrauen gegen die Menschen, widerborstig bis zum geht nicht mehr. Die Eltern wollen ihr mit dem Camp Gutes tun. Widerwillig lässt sie sich schließlich hinchauffieren.
Die Mutter führt sich gleich bei der ersten Begegnung mit den Leuten im Camp unmöglich auf. Ivy kommt in eine Hütte mit Ella (Ruby Stokes). Ella ist ständig im Internet zugange, will alles posten. Ivy ist da reservierter. Was die beiden miteinander und mit allen anderen Campteilnehmern verbindet, ist dieser fickrige Zustand der späteren Pubertät, wo der Hunger nach dem ersten Sexerlebnis sich kaum mehr im Zaum halten lässt. Da ist alles ein Tick aufgeregter, also auch das Spiel der Schauspieler. Dadurch entsteht eine starke Authentizität, die noch vom Drehbuch unterfüttert wird, das sich vermutlich auf reale Erlebnisse stützt.
Im Camp ist auch eine Psychologin, Lucy (Shalom Berune-Franklin), mit der man sich bei Problemen besprechen kann. Und dann sind da all die attraktiven Jungs, im Leitungsteam und unter den Teilnehmern.
Bei einem Überlebenscamp, zu dem sie im Boot und ohne Erwachsene hinpaddeln, campen sogar je ein Junge mit einem Mädchen im Zweierzelt. Da sind dann manche Dinge nicht mehr aufzuhalten. Ivy ist mit Ralph (Earl Cave) zusammen. Nach dem Lösen des Kondomproblems, früher kam schon ausführlich das Thema Tampon zur Sprache, geht es zur Sache.
Ausgerechnet Ralph muss frühzeitig abreisen wegen einer Verschlechterung seiner Werte. Für die Medikamentenverteilung ist Brenda (Josie Walker) zuständig. Sie ist das Gegenstück zur aufgeregt erotisierten Jugend.
Herrlich ist die Szene, wie Ivy eine Influencerin (Kat Murphy), die für einen Gastvortrag eingeladen ist, Paroli bietet und sie irritiert aussehen lässt. Es gibt aber auch ernsthaft-informative Gespräche über die Krankheit, den Umgang damit, vor allem darüber, wie zu leben nach erfolgreicher Chemo. Es ist ein roughes Leben noch in der Formung befindlicher Menschen mit besonderen Schicksalen, was hautnah geschildert wird. Die Jugend wirkt umso lebenssprühender, als sie zu diesem Zeitpunkt des Lebens, wo Liebe und Tod besonders nah beieinander liegen, dem Tod bereits einmal ein Stück näher gerückt, ihm aber von der Schippe gesprungen ist.