Steckerlfischfiasko

Miachtln

schlecht, übel, ungewaschen riechen, müffeln dürfte die Übersetzung dieses österreichisch-bayerischen Dialektwortes sein.

In den Film bringt es Michael Ostrowski als Pathologe. Er steht vor der nackten Leiche dieser schätzungsweise zehnten Folge der Eberhoferkrimis und artikuliert den Ausdruck spitz. Der Clou dabei, der üble Geruch stammt nicht von der Leiche, sondern vom Simon Schwarz, der als Rudi Birkeneberger eine verzottelt lange Dünnhaarperücke aufgesetzt bekommen hat und dem die übelsten Gerüche angehängt werden, weil er sich länger nicht gewaschen hat aufgrund eines besonderen Hygienekonzeptes. Sigi Zimmerschied als golfspielender Dienststellenleiter Moratschek würde ihn am liebsten in eine Badewanne voll mit Seifenwasser stecken. Als Elch wird er auch tituliert.

Den Begriff ‚Miachtln“ kann locker gelesen werden als Symbol für den Zustand von Provinz schlechthin, auf jeden Fall von Niederkaltenkirchen in Niederbayern, so wie die Erfolgsautorin Rita Falk es in ihren Romanen beschreibt und wie Regisseur Ed Herzog, der mit Stefan Betz wiederum das Drehbuch erarbeitet hat, es herrlich und menschennah inszeniert, nie boshaft, immer mit dem gewissen Verständnis und der gewissen Sympathie für alles, was das kreucht und fleucht und nicht immer und unbedingt die Gesetze zum obersten Maßstab seines Handelns nimmt.

In der physischen Nähe von Rudi Birkenberger ist sein unangenehmer Geruch ein Dauerthema und das wird ständig – und nicht gerade subtil – angesprochen. Münchner Vertretern der kinobeschreibenden Zunft, die ab und an in Pressevorstellungen gehen, dürfte das Phänomen nicht unbekannt sein. Nur wird es dort garantiert nie direkt angesprochen. Man ist ja großstädtisch und fein und miachdln tut man eh nicht und sieht in so einem Film, dass die Provinz, in all ihrer Überheblichkeit und Selbstüberschätzung in manchen Dingen doch unverfrorener und direkter ist.

Das macht den Reiz dieser Eberhofer-Krimi aus: dass sie ein Stück Volkskunst sind mit durch die Wiederholungen rund gewordenen Typen, denen die Autorin sehr genau „aufs Mail“ schaut, deren Mentalität sie im Lauf der Jahre genau studiert hat. Volkskunst at its best.

Da ist der Sebastian Bezzel als Dorfpolizist Franz Eberhofer unschlagbar und Lisa Maria Potthoff als seine Gattin Susi Gmeinwieser gibt den starken Kontrapunkt ab. Auch von der Story her: sie hat Karriereambitionen, sie will Bürgermeisterin werden. Das ist einer der Handlungsstränge und auch hier nimmt man es nicht so genau mit der Abgrenzung von Beruf und Privat.

Der Mordfall findet im malerischen Milieu des Marktfahrerclans der Dottingers statt. Der Chef wird nackt und tot in der Sauna seines Golfclubs aufgefunden. Jetzt ist Petra Berndt die Chefin, die der örtlichen Polizei klar macht, wo der Barthel den Most holt.

Niklas Marian Müller ist Junior Clemens, der auf dem Rummel den Steckerlfischstand betreibt und, der Titel suggeriert es, mutmaßlich für das, oder zumindest für ein Fiasko zuständig sein dürfte.

Auffällig ist, wie schnell Ruby O. Fee, die Tochter des Mordopfers, aus London nach Niederkaltenkirchen angereist ist. Der Mordfall selbst ist lediglich Vorwand für ein präzises und buntes Wimmelbild dieser Niederbayern-Wild-West-Provinz.

Kein geringes Problem für Eberhofer wird sein, dass sein Sohn Ballettstunden nimmt und dass bei der Aufführung die Eltern doch bittschön den Wald spielen sollen, so was in Niederkaltenkirchen, und noch dazu, dass der Filius ein Tütü braucht.

Das herrlich zusammengestellte Figurenkeleidoskop vermag zu begeistern, ist stimmig und gut besetzt und eingesetzt bis in die kleinste Nebenrolle. Dorfkneipier Max Schmidt, dem selbst die Stammkunden ausbleiben, Gerhard Wittmann als der Bruder vom Kommissar, der die Augen von der neuen Haushaltshilfe aus Ungarn nicht lassen kann, Enzi Fuchs als Oma, der es im Altenheim mit lauter Alten zu langweilig ist, Eisi Gulp als Papa Eberhofer … bis hin zum Kameramann Andreas Honold, der sich bass wundert, was vor der Linse abgeht im Wahlkampf gegen den amtierenden OB Thomas Kügel bis hin zu Schulleiterin Viola von der Burg, die das Schulthater anmoderiert.

Die Reihe zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen. Ganz im Gegenteil … man darf sich hoffentlich auf eine weitere Folge im nächsten Jahr freuen.

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