Auf dem politischen Minenfeld
In Israel gilt sie als regierungskritisch. Erntet aber einen Shitstorm, wenn sie eine positive Äußerung zum BDS von sich gibt. Nach dem neuen Gazakrieg wird von ihr international ein Statement zu dessen Verurteilung erwartet, andernfalls werden Konzerte gecancelt. Das werden sie auch, allein weil sie aus Israel ist.
Diese in vielem übliche Musikdoku von Jono & Benji Bergmann, die vor allem auf eine fette Homestory der Liebesgeschichte zwischen Noga und ihrem Freund und kreativen Co-Künster Ori setzt, die aber wohltuend auf jegliche Talking Heads verzichtet, unterscheidet sich von anderen durch den heißen politischen Hintergrund, das blutige und grausame Attentat der Palästinenser vom 7. Oktober 2023 und den noch viel blutigeren Vergeltungskrieg von Israel auf Gaza, Massenmorde inklusive, der bis heute nicht beendet ist.
Der Film fängt 2023 noch vor dem 7. Oktober an. Noga, die mit ihrer besonders aparten Frisur und mit teils japanisch angehauchten Klamotten auffällt, denkt über ihre Zukunft nach. Sie meint, die nächsten fünf Jahre seien die entscheidenden. Wir interpretieren das so, ob sie den großen internationalen Durchbruch schafft. Sie ist auf dem Weg dazu. Amerika lockt. Konzerte dort. Von unserem bescheidenen laienhaften Standpunkt aus, hat sie die Qualitäten und die Ausstrahlung für so eine Karriere; das zeigt der Film mit Videoclips aus ihren Alben, mit Konzertauftritten, mit Nahaufnahmen, wie sie mit ihrem Freund an Songs arbeitet. Sie steckt dafür auch den privaten Kinderwunsch zurück.
Im Film ist ein weiteres Thema der Beziehungsclinch zu Ori. Dann kommt der blutige Terroranschlag dawischen. Sie soll politische Statements abgeben, lässt sich dazu nicht drängen. So sitzt sie zwischen allen Stühlen. Keinem kann sie es recht machen. In Israel wird sie kritisert und im Rest der Welt werden die Aufführungen gestrichen. Dass sie das als ein Unrecht empfindet, streicht der Film deutlich heraus.
Sie bleibt in Israel. Das scheint die Beziehung zu Oris zu kitten und vor allem den Weg für den Kinderwunsch frei gemacht zu haben. So hält die Homestory des Filmes eine süße Überraschung bereit. Insofern ein nicht ganz üblicher PR-Film für eine Popmusikerin, obwohl sie maßgeblich zu zweit sind, spielt der Mann wie beim Ballet, die Nebenrolle, wo er vor allem für die Hebungen der Primadonna zuständig ist.