Funeral Casino Blues

Nächte in Bangkok

Die Filmgeschichte ist jetzt schon über eineinhalb Jahrhunderte alt. Da kommt einiges zusammen. Und es wird so viel und an so vielen Orten produziert wie noch nie. Es sind so viele Filme abruf- und verfügbar wie noch nie. Ein Regisseur, der heute einen Film macht, kann sich also unendlich vielen Einflüssen ausgesetzt haben und es dürfte immer schwieriger werden, diese präzise und stimmig zu analysieren, denn Einflüsse pflanzen sich über die Generationen fort.

Hier im Film von Roderick Warich nach Geschichten von ihm und Dominik Rockenmaier, der in Bangkok spielt, wäre vielleicht als einer von vielen und unterschiedlichen Anstoß- und Impulsgebern ein David Lynch mit seiner Serie „Hotel Room“ denkbar, aber gerade so gut „Fahrstuhl zum Schafott“ mit Jeanne Moreau, die durch das nächtliche Paris streift.

Mystery- und Traumahaftes umschwebt und hüllt sie ein, die beiden Protagonisten Jen (Jutamat Lamoon) und Wason (Wason Dokkathum). Sie leben in der Nacht von Bangkok. Sie sind im Bangkok City Hotel zugange.

An der Rezeption arbeiten Phi Boy (Chaiwat Bualuang) und Fai (Chayanee Choomnoommanee). Er frißt ständig Chips. Später im Film hat er einen Traum, einen Horrortraum, der mit den Bewachungskameras zusammenhängt: Türen öffnen und schließen sich wie von unsichtbarer Hand.

Der Film geht sparsam um mit justiziablen Infos über sein Personal. Jen und Wason leiden unter Geldproblemen. Jen und auch ihre Freundin Pim (Jutarat Burinok), das müsste die mit der Brille sein, die Vapes raucht, verdienen sich ein Geld, indem sie sich mit Ausländern treffen und sich dafür ein Geld geben lassen. Sie bandeln in Bars an, chatten pausenlos. Jen kommt vom Dorf und ihre Familie fordert ständig Geld, einen Grund gibt es immer, eine Krankheit, Diabetes.

Der Film verweigert sich standhaft dem Versuch, ihn in ein rationales, nacherzählbares Gerüst zu pressen. Das ist eine Qualität. Er zeigt Stilwillen zum einen in der Farbgebung, die das Monochrome liebt, speziell Rot- und Blaufilter, Eindruck von Neonlicht, monochrome Flächen an Wänden, monochrome Stoffe und da es ein Nachtfilm ist mit dem Auge für Lichter aller Art, zum anderen auf der Tonspur die Sound-Waves mit Tönen aus dem Alltag der Stadt oder des Landes vermischt und verändert. Er arbeitet mit Sprüngen in der Erzählung, in Sicht- und Positionswechseln.

Es ist eine Milieuschilderung, die sich den Nachtmenschen einer Millionenstadt und ihrem Überlebenskampf widmet, die die Schönheit der Nacht genau so sieht wie das Bedrohliche, das Beängstigende.

Die Handlung dreht sich primär ums Geld, um Schulden. Eine Pistole kommt vor und dann noch eine. Es gibt Ansätze für einen Kriminalfall. Jen ist plötzlich verschwunden, ihr Auto und die Goldkette, die Wason ihr geschenkt hatte, finden sich bei anderen, nicht gerade Vertrauen erweckenden Menschen wieder. Ansätze von Wildwest schleichen sich in den Film.

Das Verhältnis von Wason zu Jen bleibt geheimnisvoll, mal muss er als ihr Bruder fungieren, als ihr Beschützer tritt er auf. Der Film ist in drei Kapitel gegliedert: „Why do birds suddenly appear!“, „Mama, there’s wolves in the house …“, „Room 516“.

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