Röntgenaufnahme der Provinzdenke
oder, was der Provinizialismus üblicherweise am Ausbrechen hindert, wenn denn nicht ein Eli Roth, der mit Noah Belson auch das Drehbuch geschrieben hat, sich dieses auf der Leinwand traut mit einem leckerschlecker Horrorprovinzmassackerstreifen wie diesem.
Und uns lehrt, wie gefährlich Eiscreme wirklich ist. Nicht nur ansteckend, sondern mörderisch, blutlechzend, Zombies schaffend, Schlachtereien auf offener Provinzstraße initiierend, was das Genre aus seinem Fundus hergibt und mehr.
Bayleen Bay ist ein amerikanisches Provinzkäffchen wie aus dem Bilderbuch, die Idylle selbst, der Frieden selbst, die Ruhe selbst. Es gibt Schrulliges, den altbackenen Krämer, dessen Ladenglocke nicht funktioniert und der stattdessen eine Zielscheibe an die Wand gepeppt hat, auf die die Kunden Centmünzen werfen sollen, damit er hört, dass sie da sind.
Mit unheilschwangeren Untertönen auf der Tonspur versehen fährt locker und lustig der Eismann in die Ortschaft ein. Der hat eine Eismannfigur auf dem Dach, clownshaft, horrormovieeigen, und selbst den bekannten Klingelton. Der schwappt auf die Handys über mit seinem Ringel-ding-dong und einem Zeichentrickfilm dazu, auf dem die Kinder wie hinter dem Rattenfänger von Hameln herzotteln.
Die Kids sind beim Basketball und wollen sich daraufhin ein Eis gönnen. Der Film zögert nicht bis zur Schilderung der ersten Folgen. Die Mäuler sind verschmiert in den bunten Farben und mit den Bonbondekorationen des Eises.
Nachts fährt der Eismann (Ari Millen) durch die schlafenden Wohngegenden mit den Einfamilienhäuschen. Die Folgen sind blutig, man mag sie nicht im Detail schildern. Den aparten Gegensatz zwischen süßem leckerschlecker Eis und grausamen Bodyhorroringredienzien muss man im Kino erleben, darf sich darüber amüsieren wie in der guten alten Geisterbahn.
Ein bisschen Story ist auch dabei. Der präpubertäre Jared (Charlie Zeltzer) ist der Kid, der ungeschoren davonkommt, der sich nicht von Eis verführen lässt, der spannt, dass mit dem Eismann was nicht stimmt, der unbeirrt zwischen den Eiszombies wandelt und noch weitere Überlebende um sich schart. Gemeinsam und mit seiner wundertütenschönen, älteren Schwester Lizzie (Sarahb Abbott), die mit Chris (Dylan Hawco) für die Liebesstoryzutat zuständig ist, und mit einem kleinen Trüppchen Unversehrter nehmen sie den Kampf gegen das Böse auf.
Der Weg führt über die Kirche, den in der Eiskammer aufzufindenden Priester (Benjamin Byron Davis) und schließlich über den Friedhof. Unbeirrbarkeit, Tatkraft und Mut der Jugend schaffen es, das Böse einzugrenzen. Sie werden sich bestimmt als ordentliche Bürger in das Provinzleben einbringen, da sie dessen schützenden Rahmen schätzen und über die drohenden Abgründe, dass der Mensch dem Menschen ein Raubtier sei, Bescheid wissen in der Provinz des Gemetzels. Logo, dass so ein Film keinen besonderen Wert auf Subtilität legt.