Lebensansichten eines Huhns

Wohlfeile Gesellschaftskritik über die Bande erstklasssiger Hühnerkinematographie

György Pálfi, der mit Zsófia Ruttkay auch das Drehbuch geschrieben hat, möchte mit diesem seinem Film auf das Flüchtlingsproblem im Mittelmeer, auf Schleuserbanden und speziell auf die diesebezüglichen Verhältnisse in Griechenland aufmerksam machen und sie anprangern.

Die Hühnergeschichte, über die er das erzählt, ausgeblendet, bleibt nicht viel mehr als klischeehafte Bilder von Menschenschmuggel, wie ihn das Genrekino darstellen würde.

Der Betreiber eines Fischrestaurants (Yannis Kokiasmenos) hoch über der Küste in unwegsamem Gelände ist mit seinen Mannen in das Schleusergeschäft mit Bootsflüchtlingen involviert. Diese holen die Flüchtlinge am Hafen ab, wo sie mit ihren Schlauchbooten anlanden, verladen sie in den Kühlraum des Fischtransportes und verfrachten sie als Fischtransport getarnt weiter.

Eine Zwischenstation ist in einem Hinterraum des Fischrestaurants. Gegen Zollkontrollen hat man dank Bestechung einen gewissen Schutz. Hier kommt das Protagonistenhuhn ins Spiel. Es ist ein schwarzes Huhn, ein Außenseiterhuhn. Es hat im Film eine lange Vorgeschichte, eine minutiöse Herleitung für diesen Blick auf tier- und menschenverachtende Praxen der Menschheit.

Des schwarzen Huhns Geschichte geht bis zum Legen des Eis in Großaufnahme aus dem Hintern des Mutterhuhns zurück. Daran kann sich der Regisseur nicht satt sehen, Muttermund, Eigeburt, dass er solche Aufnahmen noch vielfach in den Film schneiden wird.

Unser Protagonistenhuhn wird in einer Hühnerfabrik gelegt. Es geht dort massenkompatible Prozesse des Ausbrütens, Schlüpfens, der Aussortierung durch, bis es als schwarzes Huhn von den übrigen von einem zupackenden Arbeiter getrennt wird mit der Bemerkung, das würde der Chef nicht dulden. Es sollte wohl als nächstes in einem privaten Kochtopf landen, doch vorher reißt es aus.

Das schwarze Huhn begibt sich auf eine Odysse, die vielleicht am trefflichsten damit beschrieben ist, dass der Regisseur jetzt endlos Ideen aneinanderreiht, was man mit so einem freischaffenden Huhn auf einer griechischen Insel am Mittelmeer alles erfinden kann. Da sind sicher auch komische Situtationen drunter, die in der Erinnerung in der Menge der Erfindungen schnell wieder verschwinden, unauffindbar sind.

Nach all den Wechselfällen des Hühnerkinos landet das Protagonistenhuhn bei besagtem Fischwirt in der Hühnervolière. Dort legt es einen Routinemarathon an Begattetwerden und Eilegen hin. Die Eier werden gleich entnommen. Es kann sich befreien. Es versteckt sich in der Kühlanlage auf dem Fischtransportkühlwagen. In diesen werden die Flüchtlinge gepfercht. Das Huhn hat inzwischen auf das Ventilatorrad ein Ei gelegt. Es dreht sich nicht. Die Flüchtlinge gehen in der kurzen Strecke zwischen Hafen und Restaurant elendlich zugrunde. Die Übeltäter fackeln das Auto mitsamt den Leichen direkt vorm Restaurant und mit kaum zwei Metern Abstand zu anderen Autos ab. Nichts wird in Mitelidenschaft gezogen.

Vielleicht sollte man sich für diese Dinge die Hühneroptik zu eigen machen, um sie erträglicher und plausibler zu gestalten. Naturbetrachtung ist eines, Hühner geschmeidig-süffig bildstark zu inszenieren und filmisch festzuhalten ein anderes und einen die europäische Flüchtlingspolitik kritisierenden Film machen, wäre nochmal was anderes. (Timbuktu; On the Border – Europas Grenzen in der Sahara).

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