Gioia

Aufweichen erstarrter Gefühle

Gioia (Valeria Golino) ist die Figur im Titel dieses Filmes von Nicoloangeli Gelormini nach dem Drehbuch von Benedetta Mori, Giuliano Scarpinato unter Mitarbeit von Chiara Tripaldi nach dem Theaterstück „Se non sporca il mio pavimento“ („Wenn es meinen Boden nicht verschmutzt“) von Giuliano Scarpinato und Gioia Salvatori; sie wird aber nicht als Titelheldin im dramaturgischen Sinne eingesetzt, deren Heldenreise den Zuschauer einwickeln, faszinieren, mitfühlen lassen soll.

Gioia ist der Spielball in einer Mechanik zwischen lasziver, ungezügelter, verdorbener einerseits und erstarrter, spießiger, eingefrorener Gefühlswelt andererseits. Durch den Zusammenprall dieser beiden Elemente wird Gioias Gefühlspanzer durchbohrt, aufgeweicht, besiegt.

Wichtige Infos werden während der Titel skizziert. Die Fußballbegeisterung von Gioia, ihrer strengen Mutter Gisella (Betty Pedrazzi) und dem dementen Vater in erstarrter Umgebung einer Villa. Auch die andere Seite wird während der Titel im Schnelldurchlauf geschildert. Dann nimmt sich der Film den Antagonisten Alessio (Saul Nanni) vor, ein blonder Engel, Schüler noch, mehrfach sitzen geblieben, uninteressiert an der Schule, versaut durch und durch.

Es ist die Softpornophase des Filmes. Alessio, wie er mit seinem Stiefvater Cosimo (Francesco Colella) sich Männern verkauft, indem er als Frau vor ihnen tanzt, aber auch mit Cosimo wie auch mit seiner leiblichen Mutter Carla (Jasmine Trinca) ist er sexuell zugange. In der Schule küsst er ein Mädchen auf dem Pausenhof.

Gioia dagegen, was Freude übersetzt bedeutet, im Familiennamen kommt noch die Blume vor, ist als das Gegenteil von Freude inszeniert, lange Röcke, gestrickte Pullover mit Blümchenmuster, zwei Teddybären neben dem Bett, unelegante Schuhe, die Begeisterung für Juventus Turin ist darunter der Knaller, der nicht so richtig passt. Das Klischee der strengen, frigiden Frau in Reinkultur. Mit Brille dazu. Sie lehrt französisch an der Schule.

Alessi dringt mit dem Wunsch nach Nachhilfe in Gioias Leben ein. Er bringt ihren Gefühlspanzer zum Schmelzen. So ergibt sich im Film eine Phase, in der das nach echter Liebe aussieht. Auf der Seite von Alessio herrscht Geldmangel, seine Mutter stundet mehrere Monatsmieten, Cosimo verspielt sein Geld und was Alessio mit seinen Transenauftritten verdient, ist nicht genug, er hat seine Träume von der Selbständigkeit. Die strenge Gioia dagegen hat einiges auf dem Konto. Doch Früchtchen bleiben Früchtchen …

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