Klimpern statt pimpern
Heiter aufgeregte Wortfetzen einer weiblichen und einer männlichen Stimmer erklingen zu offensichtlich vierhändigem Klaviergeklimpere auf der Tonspur noch vor den Bildern. Sie setzen das Thema zum Film von Olivia Wilde nach dem Drehbuch von Will McCormack und Rashida Jones nach dem Film von Cesc Gay.
Im Anspann das Motto von Oscar Wilde, dass man immer verliebt sein soll, aber um das zu erreichen, besser nicht heiratet. Das ewige Thema der possessiv-instituionalisierten Liebe und deren Absterben in der Ehe. Sicherheit als Reizhemmer.
In der Situation ist das Ehepaar Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde). Das Töchterchen ist zwölf und Mutter weint schon Tränenflüsse beim Gedanken daran, dass es in ein paar Jahr für Studienzwecke ausziehen könnte. Lässt tief blicken in den dritten der Ehe- und Wohngemeinschaft, den Dirigenten Joe. Den stellt der Film in einer Art Slapstickszenenfolge vor. Er hockt unbeteiligt in einem leeren Konzertsaal, auf der Bühne das Orchester. Er verabschiedet sich und meint, das Orchester soll zu Übungszwecken das Stück nochmal spielen. Er bewegt sich nach hinten im Saal.
Aus Distanz ist zu sehen, dass er sich mit einem Gegenstand abrackert. Es ist ein Klapprad. Nach der Fahrt taucht er in der Wohnung auf. Das Treten dieses unmöglichen Rades hat ihn fertig gemacht. Erledigt haut es ihn auf den Boden. Angela erinnert ihn, dass sie für diesen Abend das neu eingezogene Nachbarspaar eingeladen haben, Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton).
Der Film nimmt jetzt einen schönen Drive auf hohem, staatstheaterlichem Konversationsniveau auf. Man denkt an den Gott des Gemetzels von Polanski. Bald werden die ersten Lügen aufgedeckt.
Die Paare besichtigen die Wohnung in neuer Paarung, Joe mit Pina und Angela mit Hawk. Es entwickelt daraus eine Anbandelphase.
Die Story fährt Achterbahn. Mit dem Bekenntnis, dass die Gäste eigentlich an Partnertausch und Gruppensex gedacht hätten, schwenkt sie auf das Niveau des vor Jahren Aufsehen erregenden Films „Deutschland privat“ ein.
Wie das auch nicht funktioniert, folgt eine besinnliche Kammerspielphase, in der die Gastgeber ernsthaft über ihre Beziehung nachdenken und dann immerhin das Klimpern anfangen. Von der Schauspieltechnik her werden Spontaneität und Ansätze zur Wort- und Aussprachespielereien eingesetzt und auch das Spanische als geläufiger Zweitsprache in den USA wird von Penélope Cruz und ihrem Gespons angewandt.