Charmanter Versuch gegen das Patriarchat
Die deutsche Übersetzung des italienischen Originaltitels „2 cuori e 2 capanne“ wäre „2 Herzen und zwei Hütten“ oder Wohnungen. Das beschreibt die Grundthese des Filmes von Massimiliano Bruno, der mit Andrea Bassi, Damiano Bruè und Lisa Riccardi auch das Drehbuch entwickelt und geschrieben hat. Es ist eine Frage an das tradierte Familienbild, die Familie, die unter einem Dach wohnt.
Die Protagonisten Alessandra (Claudia Pandolfi) und Valerio (Edoardo Leo) wohnen zwar unter einem Dach, aber in zwei aneinander angrenzenden Wohnungen. Die neben Alessandra ist frei geworden, nachdem die benachbarten Haschdealer ausgezogen sind. Das war praktisch für die Versorgung mit Stoff für Alessandra, sie brauchte nur an die Wand zu klopfen und schon konnte sie auf der Terrasse durch das Grenzgitter ihre Bestellung abholen.
Alessandra ist eine unabhängige Frau, beruflich als Gymnasiallehrerin tätig. Sie liebt die Liebe mit Männern, aber nicht das Zusammenleben. Sie hat ein gravierendes Problem, das in der Art der leichten Boulevardkomödie eingefügt wird, sie hat Mühe mit der Empfängnis und sie hat noch einen letzten Befruchtungsversuch hinter sich. Das benutzt das Autorenteam, um zu zeigen, was sie unter Komödie verstehen.
Alessandra hat einen wichtigen Brief bekommen. Es ist die Auswertung des letzten Befruchtungsversuches. Sie sitzt in einem gut gefüllten Bus des ÖPNV. Ein eher ungeschickter Typ mit einem Tretroller stolpert über sie, ihre Brille geht zu Boden und ein Glas zu Bruch.
Das Problem wir nicht mit Schadenersatzforderungen, Rechthaberei, gar Schuldzuweisungen und Schimpferei gelöst, sondern charmant bietet er ihr an, den Brief vorzulesen. So ist das Thema für die Akteure und den Zuschauer gleichermaßen auf dem Tisch. Er fügt leichtlippig hinzu, dass er auch unfruchtbar sei. Zack. Da braucht es nur noch einen Filmschnitt bis zu heftigem Küssen und Umarmen in ihrer Wohnung.
Nach dem Sex schickt sie ihn wieder nach Hause: das Bett sei nur dafür da. Weiterer Baustein in der Komödienmechanik: Am nächsten Morgen begibt sich Alessandra an ihre neue Stelle. Zack. Der Direktor, das ist Valerio. Nächstes Bauklötzchen für die anstehenden Verwicklungen und das damit einhergehende Ventilieren der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Beziehung, Ehe, Familie: Alessandra ist schwanger.
Weitere Würzzutaten sind schulisch-emanzipatorische Probleme, die Haltung der Direktion und der Besuch eines früheren Samenspenders von Alessandra aus Spanien. Aus der Geschichte der beiden Protagonisten wirken zudem schwierige Familienverhältnisse ins Geschehen hinein.