Dreams – Gefährliches Verlangen

Messerscharfe Beschreibung

aufgrund von präzisen Beobachtungen macht diesen Film von Michel Franco so schmerzhaft stark als atemberaubenden Drahtseilakt über der unüberwindlichen Bruchlinie von Reich und Arm, wie sie die Welt zusehends aus dem Gleichgewicht bringt.

Ein aktueller Film also, ein brisanter. Es kommt die gnadenlose ICE vor.

In brillanter Besetzung vertreten Jessica Chastain als Jennifer McCarthy die Welt der Superreichen und Isaac Hernández als Spitzentänzer Fernando aus Mexiko die Welt der Armut. Er ist als Tänzer ein Sondertalent, ist vor einiger Zeit aus New York nach Mexiko abgeschoben worden. Dort ist er an einer Akademie tätig, die eine Stiftung der philanthropischen Familie McCarthy, das sind nebst Jennifer ihr Bruder Jake (Rupert Friend) und deren Vater Michael (Marshall Bell), finanziert. Das ist vorgegriffen, wird im Film erst später erzählt.

Jennifer und Fernando haben in Mexiko ein von ihr bezahltes Liebesnest. Die reiche Dame leistet sich den hübschesten, talentiertesten Boy aus Mexiko, den sie wohl kennengelernt hat. Ihre Familie braucht nichts davon wissen. Dieser Traum, dieses Verlangen ist gefährlich. Fernando gibt sich damit nicht zufrieden. Er lässt sich von Menschenschmugglern in die USA einschleusen.

Damit fängt der Film an. Irgendwo jenseits der mexikanischen Grenze ist dieser LKW, vollgepfropft mit Illegalen abgestellt worden, Gangster, die die Menschen befreien, zocken sie gleich ab. Fernando, von dem noch nicht zu ahnen ist, welch Tanztalent er sein könnte, entwischt, schlägt sich durch nach San Francisco.

Wohldosiert lässt Michel Franco die Informationen in den Film einfließen. In San Francisco bewegt sich Fernando zielstrebig durch die steilen Straßen eines feinen Wohnviertels, klingelt und wie er keine Antwort bekommt, steigt er in den Garten, sucht und findet unter einer Veranda den Schlüssel.

Atemberaubend sind die Milieuschilderungen. Das superreiche fällt nicht durch Protzentum auf. Es ist eine karge, gediegene Eleganz. So auch die Ausstattung von Jessica Chastain. Die ist immer hochelegant gekleidet, den Taschen sieht man an, dass sie sehr, sehr teuer sein müssen. Mit dem exklusiven Schmuck wird sparsam umgegangen. Sie versteht es, Klamotten und Accessoires zu tragen. Sie wirkt wie ein hartes Gegenprogramm zu Isabelle Huppert in Die reichste Frau der Welt (wobei der mehr Schelmenstück ist und es mit der fundamentalen Sozialkritik nicht so ernst nimmt).

Der Konflikt, der sich anbahnt, ist derjenige, dass Fernando Jennifer liebt, zumindest Spaß am Sex mit ihr hat, auch da bietet der Film einiges, aber dass er das Versteckspiel ihrer Beziehung nicht mehr mitmachen will. Für sie ist es nicht denkbar, das Verhältnis öffentlich zu machen. Er sagt sich von ihr los.

Er überlebt auf eigene Faust, schafft es, bei der Tanzcompagnie unterzukommen, mit denen zu trainieren. Jennifer spürt ihn auf, läuft ihm hinterher, will ihr Preziose nicht verlieren. Für sie wäre es ein Leichtes, aus Fernando einen legalen Immigranten zu machen, umso mehr als er ein Ausnahmetalent ist; das beweist der Film mit grandiosen Tanzszenen.

Aber Michel Franco denkt nicht in Richtung Romance. Er bleibt bei der unbestechlichen Beobachtung der Verhältnisse, doch die sind, wie Brecht schon dichtete, nicht so.

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