Viva la Vida – So klingt das Leben

Von Vigo (Galizien) nach Berklee (Massachusettes)

Diese Titelung weist auf die musikalische Spanne in diesem sprudelnden Erzählkino von Daniel Sánchez Arévalo.

Dabei ist das weltbekannte musikalische Elite-Institut Berklee-College in den USA vor allem Extrapolationspunkt für die Traditionsmusik Galiziens mit Instrumenten vom Tamburin bis zum Dudelsack.

Im Zentrum steht die Musik- und Folkloregruppe Gran Sol aus Vigo. Die haben sich immer am galizischen Wettbewerb der Rondellas beteiligt. Das sind militärisch streng choreographierte Marschvariationen mit ornamenthaften Figuren. Gesellschaftlich hat so ein Gruppe in einer Gemeinde den Stellenwert des Musikvereins.

Die Gruppe Gran Sol hat allerdings seit 2022 nicht mehr am Wettbewerb teilgenommen. Ein Schiffsunglück mit mehreren Toten lastet auf dem Fischerstädtchen. Die Idee kommt auf, gruppentherapeutisch motiviert und sicher im Sinne der Verstorbenen, beim nächsten Wettbewerb wieder mitzumachen.

Treibende Kräfte sind Louis (Javier Gutiérrez) und Carmen (María Vázquez). Sie ist die Witwe des Kapitäns des gesunkenen Fischerbootes. Ihre Tochter Andra (Judith Fernández) ist musikalisch begabt. Sie trägt den Traum vom Studium in Berklee in den Film. Ein anderer Junge, wenn ich das richtig verstanden habe, Elías (Fer Fraga), der studiert schon dort oder auswärts. Der ist gerade zurück in der Heimat. Er ist verliebt in Andrea. Das ist eine Liebe, die lange schwebend bleibt.

Der Film hat ein aufwändiges Personentableau, das an der geplanten Rondella beteiligt ist und schaut bei einigen Beziehungen und Verhältnissen genauer rein.

Da sind die Zwillingsbrüder Xoel (Tamar Novas) und Xavi (Xosé A. Toruinán), die bei der Naturschutzpolizei sind und die der Wilderei mit Spinnenkrabben einen Riegel vorschieben müssen. Da sind die Frauen, die mühsam Entenmuscheln ernten und ein bescheidenes Geld dafür verdienen. Da ist der alte, Yayo (Carlos Blanco), der bei dem Schiffsunglück ein Bein verloren hat und jetzt nicht mehr die bunte, farbenprächtige Rondella anführen kann. Er wird Xoel trainieren. Dieser wieder zerstreitet sich nach 40 Jahren Minne mit seinem Zwillingsbruder, weil dieser bei einer anderen Gruppe dirigieren soll. So entsteht eine besondere Freundschaft zu Yayo.

Der Film wirf einen liebevollen Blick in die quirlige Lebens- und Sozialstruktur des Städtchens und auf den erwachenden neuen Gemeinsinn. Das erinnert an gute alte Samstagabend-Fernsehshows, in den Gemeinden in sportlichen Wettbewerben gegeneinander angetreten sind. Da der Film einen Bezugspunkt in Amerika setzt, wird auch offenbar, wie schwer es solcher Gemeinsinn in einer Zeit hat, in der ein Unflat Präsident der Vereinigten Staaten ist, bei dem so gar keine Gemeinschaftswerte etwas gelten und der damit den Ton in der Weltpolitik setzt.

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