Design der Natur,
dieses scheint es dem Dokumentar- und Naturfilmer Nepomuk Pfaff und seinem Drehbuchautor Jim Lern angetan zu haben.
Was mit modernen Kameras aus der Natur, sowohl Mikrokosmos bis hin zum Weltall zu holen ist, das ergibt beeindruckende Fotostrecken, oft am Rande des Künstlerischen oder auch des Wandschmuckes.
Es gibt den im Titel angebotenen Gedankenfaden über die Funktion der Insekten. Der Film geht zurück bis zur Entstehung der Insekten vor 400 Millionen Jahren, kurz nur angetippt, mehr Skizze als wissenschaftlich akribisch beschriebener Vorgang.
Einen historische Zwischenstopp macht der Film – er legt Kapitel mit Titeln und Nummern und Unterkaptiel vor – bei der Erscheinung des Homo Sapiens, der anfängt, in die Natur einzugreifen, er zeigt Dörfer und merkt an, dass anfänglich der Zugriff des Menschen zu mehr Artenvielfalt geführt habe, diese aber mit dem Aufkommen der industriellen Landwirtschaft drastisch anfängt, zurückzugehen.
Das und mehr Dinge erzählt Katharine Thalbach. Aber es gibt auch von einer Männerstimme vorgelesene Zitate von Goethe.
Nach dem kursorischen, historischen Abriss hüpft der Film abwechselnd bei verschiedenen Biosphärenreservaten vorbei. Hier wird versucht, mit der Natur zur wirtschaften und deren Vielfalt zu erhalten. Das zeigt sich in der Krume, die locker und belebt von Milliarden von Mikroorganismen ist, während das Erdreich bei der industriellen Landwirtschaft hart wie Beton und tot ist. Im Schwarzwald arbeiten Vieh und Ziegen gegen die Verbuschung, auch das ein Vorgang zum Schutz der Artenvielfalt.
Zu den Biosphärenreservaten als Modellandschaften für Insektenschutz gibt es im Abspann einen Text, der erklärt wie diese gefördert werden und „Dieser Film gibt die Auffassung und Meinung des Zuwendungsempfängers des Bundesprogramms biologische Vielfalt wieder und muss nicht mit der Auffassung des Zuwendungsgebers übereinstimmen.“
Der Film kann gesehen werden als ein Votum für Nachhaltigkeit und für den Erhalt der Artenvielfalt oder als ein Votum gegen die grassierende industrielle Landwirtschaft mit ihrer synthetisierten Natur. Dabei zeigt sich, dass es im Biosphärenreservat nicht nur Schädlinge gibt, sondern gegen diese auch die Nützlinge.
Die Texte zeigen einen Hang zum Anthropozentrischen, Glühwürmchen, Bienen oder Käfer erhalten Vornamen, eine Waldameise heißt Amélie. Die Texte sprechen ein Gegenüber mit „Du“ an. Stark sind die Bilder der Natur, oft wirksam vor Schwarzhintergrund hervorgehoben. Welche Formen und Farben, welch Design-Meister die Natur ist, welche Augenweide!