Gefällige Hofberichterstattung
Der Begriff passt durchaus zu den Protagonisten dieser Dokumentation von Veronika Kaserer, die mit Georg Tschurtschenthaler auch das Drehbuch geschrieben hat, logieren die doch teils im Schloss oder teils in einem Gehöft unterhalb des Schlosses, es ist die Familie, der Clan Messner, eine mediengewandte, medienerprobte Familie, dank ihres berühmten Oberhauptes Reinhold, der im Film in Archivaufnahmen vorkommt, eine Mitwirkung aber abgelehnt habe, Gründe gibt es nicht dafür im Abspann.
Es geht um den Sohn, den Sprößling Simon, dem berühmten Vater wie aus dem Gesicht geschnitten, ein sympathischer, wohlüberlegter Kerl mit diesen wachen Bergleraugen, die es gewohnt sind, der Gefahr ins Gesicht zu schauen. Verdrängung ist ein anderes Thema und findet woanders statt.
Das Motto für diesen freundlichen Personality-PR-Streifen wird familiär gewählt, kommt auch zur Sprache, wie es sich im Schatten eines so berühmten Vaters lebe. Offenbar ganz gut, einzig in dem Moment, in dem klar wird, dass der Sohn dieselben Risiken des Bergsteigens – aber natürlich auch dieselben Rauschgefühle und garantiert auch den geschäftlichen Erfolg – anstrebt, da sind Verstand und Gefühl des Alten offenbar nicht so zuverlässig gestrickt wie beim Bergsteigen.
Simon hat ein Handicap. Das wird sichtbar bei den ersten Aufnahmen vom Joggen. Eindeutig ist die Stellung der beiden Schultern verschieden. Das wird noch ein Thema werden, das bis in den Abspann hineinwirkt.
Neben Talking Heads aus dem Umfeld von Family und Friends ist eine Expedition zum Chumik Kangri im Himalaya der Storyfaden. Es soll eine Erstbesteigung werden. Diese steht noch aus, weil der Gipfel in einem Gebiet liegt, das bis vor kurzem für Zivilisten gesperrt war.
Wenn man diesem Film glauben möchte, so besteht die Planung darin, ein paar Bilder vom Berg anzuschauen nebst ein paar üblichen Reisevorbereitungen. Die Info darüber wird so kurz gehalten wie es vielleicht in der Regenbogenpresse üblich wäre: praktisch gar nicht, denn der ganze organisatorische und finanzielle Kram, der bestimmt dahinter steckt, wäre nicht bildergiebig.
Simon und sein Kletterpartner scheinen sich nicht besonders gut vorbereitet zu haben. Jedenfalls erschrecken sie bei den ersten Testtouren beim Anblick eines kollabierenden Gletschers. Das Thema der Klimaerwärmung hätte an der Stelle erwähnt werden können; man denkt an den Film „Salz und Wasser“, der im August ins Kino kommt, und die Art, wie dort ein kollabierender Gletscher präsentiert wird.
Man wundert sich, dass dieser Gletscher sie überrascht, dass sie das nicht vorher mit bestimmt verfügbaren Methoden, Fotos aus dem Weltall gibt es ja auch, gecheckt haben. Scheinen sie nicht gemacht zu haben und stehen dann überrascht vor einem nicht zu meisternden Hindernis.
Die Expedition selbst wird verhackstückt erzählt, immer wieder unterbrochen von Gesprächen zu Hause; ist diese Methode der dramaturgischen Beratung von Anne Fabini zu verdanken?
Im Abspann erscheint folgender Text: „Die im Film sichtbaren Sportbekleidungsmarken einzelner Protagonisten waren weder an der Finanzierung, der Produktion des Films noch an seiner inhaltlichen Gestaltung beteiligt.“ Damit will sich der Film, der teils mit Geldern des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes und dort unter Gutheißung durch die Redakteure Mirjam Dolderer (SWR), Antje Stamer (SWR) und Matthias Leybrand (BR) finanziert worden ist, absichern gegen den Vorwurf der Schleichwerbung. Ist aber irgendwie doch passiert, insofern als Protagonisten solcher Sport- und Alpinismusdokus ihr Einkommen teils als Markenbotschafter erlangen. Da zählt jede Minute Medienpräsenz, ist jede Minute bares Geld, in der so ein Werbewapperl im Kino oder im Fernsehen, gerade auch im öffentlich-rechtlichen, aufscheint. Da schlägt die Werbeintention voll durch. Das kann es nicht sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der sich durch Zwangsgebühren von allen Bürgern des Landes finanziert, Gelder in eine Sendung steckt, die letztlich dem Werbeeinkommen eines einzelnen Protagonisten förderlich ist. Dann sollen die bittschön auch blechen dafür, dass sie so eine Feature bekommen.
Als Deckmäntelchen werden, eher pseudhaft, die Frage nach dem Verhältnis zum Vater als auch die Risiko-Fragen angetippt; nicht so ernsthaft, wie der Titel es erwarten lassen könnte. Wie umgehen mit der hohen Todesrate in den Profibergsteigerkreisen? Kann ein Mann es verantworten, Frau und Kinder zuhause zu haben, und sich auf solche Abenteuer einlassen? Kann er nicht nur, muss er sogar, lautet das Fazit der im Film versammelten Männerstimmen dazu.
Auch typisch Hofberichterstattung: um Geschäftliches geht es nie in solchen PR-Berichten, wie er die Expedition finanziert, wer die Sponsoren sind; weil diese Berichte eben zur Geschäftideologie gehören.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.