The Piano Tuner

Freispruch durch den Maestro

Nicht aber durch den Rezensenten. So sieht das Strafsystem in diesem Film von Daniel Roher, der mit Robert Ramsey auch das durch und durch konstruiert wirkende Drehbuch geschrieben hat, aus: wer schweren Diebstahl begeht, also Tresorknackerei, der kann von einem Musikmaestro (das muss Jean Reno sein), freigesprochen werden, wenn er ein Stück aus der Knackerei wieder beibringen kann. Dieses Stück schafft das Link von der musikalischen Hochkultur zum Holocaust.

Der verwendeten, filmerfolgreichen Elemente sind mehr in dieser fiktionalen Story. Das verkannte Genie, das verhinderte Talent, das ist Niki (Leo Woodall). Er hat das absolute Gehör und hätte die Begabung für einen Weltklassepianisten. Er läuft ständig mit Kopfhörern und darunter noch was im Ohr herum. Sein Onkel Henry (Dustin Hoffman) ist schwerhörig. Die beiden sind Klavierstimmer. Sie arbeiten als Team. Sie werden auch mal mit dem Plummer verwechselt, was eine Assoziation zu einer ganz anderen Art von Filmen auslöst.

Niki ist die Empathie- und Mitleidsfigur. Er spielt das wunderbar, fast als reiner Knabe noch könnte er durchgehen, so viel Naivität. Wie sie am Konservatorium den Flügel stimmen, müssen sie Ruthie (Havana Rose Liu) von ihrem Platz verscheuchen; eine Bemerkung ergibt die nächste und Ruthie weiß Bescheid, dass sie mehr als nur einen Klavierstimmer vor sich hat.

Niki leidet unter Hyperakusis. Er kann laute Töne nicht ertragen. Das schlachtet der Film leidlich aus mit Sirenen, Hunden, Jets.

Bei einem sehr reichen Klienten kommt Niki mit Uri (Lior Raz), einem Security, in Kontakt. Das Konstrukt für die folgende Zusammenarbeit der beiden ist wie folgt und mit einem komplizierten Vorbau: Henry hat sein Hörgerät im Tresor eingeschlossen, hat aber die Kombination vergessen. Daraufhin macht sich Niki im Internet schlau über das Knacken von Tresoren, was ihm dank seines absoluten Gehörs leicht fällt. Dann muss er in einer reichen Villa nachts den Flügel stimmen, weil tagsüber zu viel Lärm war. Plötzlich stört ihn Lärm von einer oberen Etage. Niki stößt dazu, wie Uri und zwei seiner Kumpels versuchen, mit einem Pressluftbohrer den Tresor zu knacken. Er stellt sich naiv, ohne Rechtsempfinden, dumm, und will wissen, wie lange das noch dauere, damit er mit dem Stimmen fortfahren kann. Wirkt konstruiert.

Niki macht den Vorschlag, wozu mit Gewalt, wenn es anders auch ginge. Er bietet sich hilfsbereit als Tresorknacker an. Er wird entschädigt dafür.

Gleichzeitig macht der Film das nächste Faß auf, was nötig ist, damit Niki das Angebot einer Zusammenarbeit mit Uri nicht ablehnen kann. Dazu wird Dustin Hoffman ins Krankenhaus eingeliefert. Das kostet in Amerika viel Geld. Das hat die Familie nicht. Darauf weist Dustins Frau Marla (Tova Feldshuh) hin.

Es macht Klick bei Niki. Und flugs ist er ein profesioneller Tresorknacker, nachdem Uri ihm auch noch erklärt hat, dass diese Art Beute bei den Reichen kaum auffalle. Gewissensreinwaschung. Dann ist da noch der Holocaust, die Vorfahren, auch beim kriminellen Uri gibt es welche, und rare Erinnerungstücke, die später den Nexus zum Maestro herstellen werden, mei, wie das alles konstruiert ist.

Der Film bedient sich filmtechnisch bei den Routinevorgängen wie dem Knacken der Tresore des Mittels des schnellen Aneinanderreihens von Einzelbildern aus einer Sequenz, nennen wir es eine Flip- oder Flipfloperzählung. Synthetic Cinema-Art. Übrigens: Das Es ist verstimmt.

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