„Der hundertste unnötige Liebesschinken“,
so referiert der Film von Ludovica Rampolid, möglicherweise selbstironisch gemeint, auf seinen Stellenwert, um ihn sogleich konterkarierend zu zementieren mit dem Nachsatz „denn, gibt es letztendlich was Wichtigeres?“.
Es ist eine Seitensprunggeschichte, komplizierter, als sie sich von der Exposition her gibt. Aber darauf einzugehen, käme einer Spoilerei gleich. Die Geschichte wird unter sieben Kapiteln subsumiert, diese zu zitieren, verrät nicht allzu viel: Alkohol als Selbsthilfemittel / Das aufregende Leben / Die dreier Regel / Mitten im Sturm (Symbol dafür das Sturmbild im Hotelzimmer) / Das Herz verehrt (getrenntes Begräbnis für Organe und Knochen von Päpsten) / Dinge, die sehr falsch sind / Zerstöre alles / Scheinbarer Wind.
Das zweitletzte Kapitel meint den Scherbenhaufen, den die Protagonisten in ihren Beziehungen anrichten und das letzte Kapitel relativiert den Sturm, der vorher angesprochen worden ist, indem er, was auch schon hunderte von Liebesschinken zuvor vorgemacht haben, hemdsärmelig die Scherben wieder zu einem glücklichen Ende zusammenkittet.
Rocco (Adriano Giannini) ist Seismograph. Dieser Beruf scheint willkürlich gewählt; irgendwelche besonderen seismographischen Fähigkeiten seinerseits zum Feststellen von Brüchen in menschlichen Beziehungen spielen keine Rolle. Er ist sei 19 Jahren mit Cecilia (Valeria Golino) verheiratet. Die Ehe ist, wie in hunderten von anderen Liebesschinken auch, längst Gewohnheit.
Unique selling point für diesen Liebesschinken dürfte sein, dass Rocco jeweils am Freitag Abend einem ungewöhnlichen Sport huldigt: dem Schachboxen. Mit blutiger Nase nimmt er noch einen Drink in einer Bar (Betty Pedrazzi als Barkeeperin). Dort sitzt eine auffällig auf makellos geschminkte, frisierte und gestylte Frau. Sie ist betrunken. Und wer schon hunderte von Liebesschinken gesehen hat, der weiß, jetzt bandelt sich eine Affäre an.
Lea ist, jetzt werden die Schienen für die Verkomplizierung gelegt, mit dem Fernsehschauspieler Andrea (Andrea Carpenzano) zusammen. Sie vermutet, dass er eine Affäre hat. Sie ist nicht entzückt, bei einem Teamscreening seines neuen Krimis zu sehen, wie er auf der Leinwand eine andere Frau küsst. Andrea und Lea haben ein Kind.
Die Frau von Rocco, Cecilia, ist Psychiatrin. Bei ihr ist die ungewöhnliche Eigenschaft, dass sie Hobbyschützin ist. Auch diese Kombination dürfte in den hunderten, wenn nicht tausenden von unnötigen Liebesschinken eher ungewöhnlich sein.
Die Verkomplizierung verkompliziert sich, indem Lea, die sich jetzt Alba nennt, als Patientin bei Cecilia sich meldet. Es ist vielleicht einer dieser Liebsschinken, die nicht gerade strotzen vor Charme und die deutsche Synchro verstärkt diesen Eindruck noch.
Es gibt einen Moment, in welchem sich die Seitensprunglagen zuspitzen, in denen der Film musikalisch zu verstehen gibt, dass er auf Operettenlustigkeit anspielt. Wichtiger aber scheint ihm das Ästhetische, besonders bei der Protagonistin. Auch sonst sieht alles gepflegt und sauber aus, fast etwas zu geleckt und vielleicht etwas zu sehr tv-haft.
Inhaltlich wird auf die positive Seite von Seitensprung und Verrat hingewiesen mit der Bemerkung, dass ohne Judas Jesus nicht seine Leidens- und damit Heilsgeschichte erfahren hätte. Das hört sich sophistisch an, würde sich aber mit dem Eindruck vom Bemühen um Gelecktheit decken.