Die Camino Therapie – Finde Deinen Weg

Wandern statt Knast!

Das ist die Message dieses Filmes von Yann Samuell.

Als Grundlage für sein Drehbuch hat ihm das Buch von Bernard Ollivier von 2015 gedient. Darin berichtet Ollivier über die Wanderungen von 14 jungen Menschen, die er begleitet hat. Dies im Rahmen einer Organisation, die solche Wanderungen für die bessere Lösung hält als Jugendknast.

Die These wird im Abspann mit Zahlen belegt. Die Rückfallquote von Straftätern nach einer Wanderung betrage etwa 20 Prozent, jene nach Knast um die 60 Prozent.

Die Wanderungen dürften den Staat also im doppelten Sinne deutlich billiger kommen; einerseits dürften die finanziellen Aufwendungen deutlich unter jenen eines Knastaufenthaltes liegen und wegen der geringeren Rückfallquote bleiben der Gesellschaft nicht nur mehr Straftaten und Gerichtsverfahren erspart, sondern auch enorme Gefängniskosten. Warum die Politik auf so simple Rechnungen nicht reagiert, bleibt deren Geheimnis.

Yann Samuell hat das Buch von Bernard Ollivier frei bearbeitet, hat die Erlebnisberichte der Jugendlichen auf einen Fall mit einer Begleiterin eingedampft.

Adam (Julien Le Berre), Vater unbekannt, Mutter will nichts von ihm wissen, steht vor der Wahl, Knast oder Wandern. Über die Organisation, der Paul (Eric Métayer) vorsteht, kommt der Kontakt zu Fred (Alexandra Lamy) zustande. Sie ist von ihrer Lehrerstelle suspendiert, weil sie, das einzige Mal in 15 Jahren wohlverstanden, einer Schülerin eine Ohrfeige verpasst hatte. Sie hat auch familiäre Probleme; mit ihrem Mann (Cyril Guei), der hat sie verlassen hat, und mit ihrer Tochter, die nach Kanada zum Studieren abhaut. Eine pikante Problemkonstellation macht sich auf den Weg nach Santiago de Compostela.

Das ist aus unzähligen Filmen über den Pilgerweg bekannt, dass er eine heilende Wirkung auf die Menschen hat und so ist zu erwarten, dass auch diese Geschichte gut ausgehen wird, sonst wäre es ja um den Werbeeffekt für diesen Resozialisierungsmodus geschehen.

Es ist ein Pilgerweg mit pittoresken Bildern von malerischen Städtchen mit überwiegend Steinhäusern, es ist ein Pilgerweg, über dem die Drohne unermüdlich schwebt. Es ist ein Pilgerweg mit roadmovie-gerechten, anekotisch begründeten Zwischenfällen, auch Auseinandersetzungen, nebst den üblichen Blasen an den Füßen.

Es ist ein Pilgerweg, der auch eine Liebesgeschichte in petto hat, diejenige von Adam zu Estella (Maelle Vidou). Sie mit einem gesunden Bein und einem mit einer Prothese bis übers Knie, geht den Weg nach einem Abbruch zum zweiten Mal. Und es gibt in einem Kloster eine schöne musikalische Rap-Einlage von Adam, zu welchem die Mönche das Ave-Maria intonieren.

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