Resurrection

Chinesische Kinoliebhaberei

Was sind Fantasmer? Ein Fantasmer ist die symbolische Leitfigur durch diesen Auferstehungsfilm von Bi Gan, den Begriff vom Titel abgeleitet. Es dürfte um das Weiterleben von Menschen, Ideen, Fantasien gehen, um Dauer und Unauslöschlichkeit, um Seelenwanderung, auch die bietet sich an, als solche könnten vielleicht die verschiedenen kleinen Geschichten, die den Film füllen, angesehen werden mit je neuen Verkörperungen des anfänglich in den Film eingeführten Fantasmers.

Eine Fotografin (mit der Identifizierung von Rollen-Namen komme ich ganz schön in die Bredouille, das müsste Shu Qui sein) entdeckt den Fantasmer. Sie ist eine Fotografin, wie sie ein Kinoliebhaber nicht schöner schildern kann in einer Labyrinthwelt voller Bilder, Spiegel, Durchlässen.

Die Fotografin entdeckt ihren Fantasmer in einem Film. Es sind furios der Stummfilmzeit nachempfundene, rekonstruierte Bildwelten in Farbe und im schmalen Format. Es ist eine Durchlässigkeit der Bilder und Illusionen; eine Befragung der Bilder nach ihrem Realitätsgehalt, nach ihrer Wahrheit, epigonal aber schön.

Die Begegnung des Fantasmers und der Fotografin erinnert an „Die Schöne und das Biest“. Sie ist eine makellose Schönheit und elegant dazu, während der Fantasmer ein unansehnlicher, verkrüppelter Mann ist. Aber auch diesen Eindruck wird der Film am Ende – Achtung Spoiler – als Täuschung offenlegen. Darin zeigt sich auch der Erkläransatz des Filmes.

Täuschung spielt in einer der Geschichten einer Rolle. Ein Kleinkrimineller, der am Bahnhof rumlungert, sucht ein begabtes Kind, um mit Kartenspielertricks an Geld zu kommen. Vorher gab es ausgiebigen Austausch in einer Tempelruine zwischen einem Mönch und einer weiteren Symbolfigur, dem Mann der Bitterkeit, der in einem Zahn des Mönchs versteckt war.

All diese Figuren, Fantasmer, Mönche, Taschenspieler, später ein Schlagersänger, könnte man als nicht tiefer in das chinesische Denken Eingeweihter als Erzählung einer Seelenwanderung interpretieren.

Die Geschichten fesseln verschieden, gewinnen kurze Momente der Spannnung und verlieren sich wieder. Gegen Ende bündelt der Film die Ansätze vom Anfang, lässt das Kino, die Filmvorführung – als Erinnerung an sich selber – real werden und wieder zerbröseln, und packt noch – Urkino – eine Liebesgeschichte samt Boot drauf – Erklärung mit dem Holzhammer. Manche brauchen das vielleicht.

Es ist ein Film, anzusiedeln im beachtlichen Feld von epigonalen, kinematographischen Liebeserklärungen und Hommages an das Kino als eines ephemeren Bewusstseins- und Seinszustandes; illustrierend dazu wird das Musikinstrument Theremin eingeführt.

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