Ohne Männer gäbe es kein Frauenhaus,
das ist eine abgründig schön doppelbödige Pointe, die Sophie Passmann in ihrem Bühnenprogramm „Pick me Girls“ nach ihrem gleichnamigen Buch eingebaut hat.
Diese Pointe folgt im Rahmen einer Reihe von Gedanken und Beispielen dafür, dass die Welt die Männer brauche. Sie verweist dabei auf die Glühlampen am Bühnenrand, auf die Bühnentechnik, auf das Bühnenbild und wie sie ein Teil der Rückwand der hervorgehobenen Showbühne anfasst, beginnt diese bedenklich zu wackeln, auch das ist eine schöne Pointe.
Das kann sie gut, einen Gedanken anreißen und ihn dann unvollendet stehen – und wirken lassen. Das hat wie bei allen Soloperformern, Kabarettisten, Witzeerzählern, Alleinunterhaltern, Moderatoren und Conferenciers mit Massenmanipulation zu tun. Auch die beherrscht sie.
Manchmal muss man nur eine Geste machen und einfach so lange stehen lassen, bis das Publikum reagiert oder nach einer – auch vermeintlichen – Pointe so lange lächelnd ins Publikum gucken oder ratlos, bis es zu lachen oder applaudieren anfängt.
Sophie Passmann hat Charme. Ihre Sprache ist schnörkellos und gut artikuliert. Sie fängt ihr Programm mit einem fetten Erguss darüber an, dass sie als Kind dick gewesen sei. Manche Sätze trägt sie richtig eingeübt – Regie Christina Tscharyski – vor, theatralisch gesteigert. Das trägt in dem großen Theater des Berliner Ensembles, in dem die Aufzeichnung, aus der dieser Film besteht, stattgefunden hat.
Sophie Passmann ist nicht schlecht im Namedropping des eigenen Namens, aber auch andere werden erwähnt. Brecht bekommt einmal bei einem Bühnengag eine Erwähnung. Nach dem Abarbeiten des Dick-Themas, vielleicht etwas zu breit, folgt sie der Identitätsfrage.
Was für eine Frau sie sein wollte. Wie sie die Typen, als die sie sich sah, imitierte und ob das Resultat befriedigend war.
Es ist ein in vielem selbstreflexiver Text, der genaue Beobachtung von Vorgängen zum Beispiel bei einem Fotoshooting beinhaltet. Ihre lange, mentale Vorbereitungszeit und dann der kuriose Auftritt des ‚großen‘ Fotografen umwedelt von seinen Assistentinnen.
Sophie Passmann selbst nennt sich eine Champagner-Feministin, was immer das sein mag. Jedenfalls kommt sie ohne Männer nicht aus. Die Pick Me Girls, als so eines bezeichnet sie sich, die überlegen sich, wie die Männer sie gerne sehen würden. Sie endet mit der Feststellung, dass sie die Frau, die sie geworden sei, ganz spannend finde, aber dass das nicht die Frau sei, die sie sich vorgestellt habe.
Am 16. Juli kommt „Was haben wir gelacht“ ins Kino über Frauen, die sich ihre Bühnen erobert haben. Sie sind nicht die einzigen, wie dieser Film zeigt.