Sturm und Drang 2.0
Coming of Age. Die Verwirrung der Gefühle. Die Sturm- und Drangzeit. Ich liebe Dich, ich töte Dich.
Dieser Wahnsinn der ersten Liebe oder der ersten Verliebtheit, die einen Aufruhr in einer Person auslöst, die das ganze Welt- und Identitätsgefüge der Kindheit ins Wanken bringen kann. Das ist der Stoff mit dem Curry Barker kalt seine süß-sauer-Speise anrichtet.
Sie sind Arbeitskollegen in einem Musikinstrumentenladen: Bear (Michael Johnston), Nikki (inde Navarrette), Ian (Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless). Zwischen ihnen wird die Gefühlswelt Harakiri spielen.
Bear, der so gar kein Bären-Typ ist, spillerig, nicht unbedingt stabil, mit einem Schuss Treuherzigkeit in den Augen, glaubt, dass seine Gefühle für Nikki von dieser erwidert werden. Mit seinem Kollegen und Kumpel Ian übt er einen Anbandeltext, den Promantrag. Weil sie beim Chatten mit ihm von einer verlorenen oder zerrissenen Kette erzählt, will er ihr eine solche schenken.
In dem Tand-Shop, in welchem er so eine sucht, findet er stattdessen das merkwürdige Mitbringsel „One Wish“. Das ist ein holzartiger Gegenstand, verpackt, während man den bricht, darf man einen Wunsch äußern. Der wird in Erfüllung gehen. Man hat aber nur, eh klar und bekannt, einen Wunsch und kann den auch nicht stornieren.
Die Liebe fängt unter unguten Vorzeichen an. Wie Bear vom Anbandeltraining beschwingt nach Hause kommt, findet er seine Katze tot. Sie hat seine Tabletten erwischt. Von denen hat er einen ganzen Schrank voll. Sie ist das schlechte Omen für den Rest des Filmes.
Es geht alles schief oder dann gehen die Wünsche in Übererfüllung. Nach misslungener Anbandelei ist Nikki plötzlich in seinem Schlafzimmer in Unterwäsche, fragt ob er Sex mit ihr wolle. Unterwäschesex (faktisch, nicht expressis verbis!), wie es aktuell im amerikanischen Kino moralischer Standard ist.
Der Filmemacher arbeitet mit harten Wechseln in Tonart, mit knalligen Effekten, mit Übertreibungen und plötzlichem Schreien, mit Erstarrenlassen der Mimik, mit übertriebenem Kussmund. Es ist nicht primär eine Geschichte, es ist der immer wieder erneuerte Versuch einer Zustandsbeschreibung, der Beschreibung dieses extremen labilen Gleichgewichtes der wechselnden Gefühle, der nicht zu steuernden Gefühlsbäder, Sturm und Drang.