Eine Kopie, einer Kopie, einer Kopie,
das möchte Ingeborg Bachmann sein, zitiert Regina Schilling in ihrem Film die Dichterin.
Das kann verschieden interpretiert werden. Im Zusammenhang mit einem anderen Zitat von Ingeborg Bachmann, wie sie sich die Wimpern tuscht, damit sie nur geradeaus schauen kann und damit ihr geholfen werden muss; dieser bewusste Auftritt; eine Interpretation, die in der Nähe eines Zitates über sie im Film gerückt werden könnte, nämlich, dass sie sehr ehrgeizig gewesen sei; eine Eigenschaft, mit der sich der Film allerdings nicht weiter beschäftigt.
Ingeborg Bachman hat die Nähe berühmter Männer gesucht oder umgekehrt. Es kommen vor Paul Celan, Hans Werner Henze, Max Frisch. Dann scheint sie die Nase voll gehabt zu haben von Männern. Die weibliche Befindlichkeit spielt ein Rolle, das ist ersichtlich aus der Zitatenauswahl.
Das Doppelungsthema kann aber auch als eine leitende Regieidee gesehen werden; denn die Dokumentaristin lässt Ingeborg Bachmann von Sandra Hüller nachspielen. Oder auch doublen oder feedbacken oder reflektieren oder interpretieren.
Die Kopieidee liegt nahe, da die Verwandlung der Schauspielerin Sandra Hüller in die Dichterin gezeigt wird, das Aufsetzen der Perücke, das Einüben von Gesten. Die Ähnlichkeit gerade mit der jungen Dichterin ist verblüffend.
Allerdings scheint das Budget für den Film recht begrenzt gewesen zu sein; offenbar hat es nicht gereicht für eine zweite Perücke mit dem kürzeren Haarschnitt, der im Archivfootage mehrfach zu sehen ist.
Mit zunehmendem Fortgang des chronologischen Biopics driften Original und Kopie immer weiter auseinander; das Original ist zusehends von Medikamenten, Zigaretten und Lebenskrisen gezeichnet. Das dürfte eine inszenatorische Entscheidung sein.
Sandra Hüller ist fabelhaft, liest wunderbar die Texte, zeigt aber auch den Unterschied zwischen Sein und Spiel, wenn sie sich in der Filmzeit von einem Tag in einer eigens nachinszenierten Wohnung in Rom bewegt; vielleicht wäre sie sogar die Traumkopie von Ingeborg Bachmann gewesen.
Der Film lässt an eine Künstlerdevotionalie denken, wie es sie in München am Orlando-di-Lasso-Denkmal für Michael Jackson gibt. Hübsch und liebevoll hergerichtet; ein wunderbares Patchwork, eine geschmackvoll-gediegene Montage aus Archivfootage, Interviews, Kritiken, Nachspielszenen, animiertem Vogelschwarm und Zitaten. Dass sich Sandra Hüller am Schluss noch im On abschminken muss, ist des Überdeutlichen zuviel. Soll damit der Titel erklärt werden: es war eine Rolle von mir? Von Sandra Hüller oder von Ingeborg Bachmann?