Hallo Betty

Von den Anfängen der personifizierten Produktwerbung
in der Schweiz

erzählt dieser Film von Pierre Monnard (Platzspitzbaby) nach dem Drehbuch von André Küttel.

Es sind die 50er Jahre in der Schweiz. Sie erholt sich von den Kriegsjahren. Das Konsumententum gewinnt an Fahrt. Die Konzerne der Nahrungsmittelindustrie wollen mitverdienen.

Margarine und Öl soll an den Mann, besser, an die Hausfrau gebracht werden. Das ist der zeitliche und wirtschaftliche Rahmen für diesen Spielfilm, der die tatsächlich damals erfundende Werbefigur zum realen Vorbild hat.

Diese Frau, Emmi Creaola (Sarah Spale), ist Texterin in der Werbeagentur Jaeggi-Aebi (Ueli Jäggi und Cyril Metzger). Aeby ist eben aus Amerika zurückgekehrt. Er greift die Idee von Emmi flugs auf, das Kochöl oder die Margarine Astra mit einer Werbeperson zu verbinden.

Emmi selber tut sich schwer. Es ist eine Zeit, in der Frauen nicht viel gelten. Ihr Mann Ernst (Martin Vischer) ist in der Baubranche tätig, er macht in Pflastersteinen; aber die Zeichen stehen auf Teer, ungünstig für ihn. Zuhause toben drei Kinder herum. Ein Kindermädchen kann man sich nicht leisten.

In der Agentur gewinnt die Idee von Emmi mit der Hausfrau, die die Hausfrauen ansprechen soll, Kontur. Sie darf die Rezepte für die inzwischen erfundene Kunstfigur Betty Bossi schreiben und in einer eigenen Zeitung veröffentlichen. Wie der Wunsch aufkommt, sie auch als tatsächliche Person in Einkaufsmärkten auftreten zu lassen, wird die zeitliche Belastung mehr, die Spannung in der Familie steigt.

Es ist ein Film auch über Emanzipation, sowohl der Frau, die ihren Job machen will, als auch des Mannes, der sein Teil zum Haushalt beitragen soll. Es ist auch ein Film darüber, wie eine Idee sich mühsam ihren Weg zum Erfolg bahnt. Denn der bleibt nicht aus, das führt bis zum Konzept des Fernsehkochstudios.

Auf der Suche nach Rezepten wird ein italienisches Restaurant wichtig. So ganz nebenbei ventilieren die Szenen dort das Thema der Immigration. In einem witzigen Moment verjagt das gesamte Restaurantpublikum einen mutmaßlichen Spitzel von der Ausländerbhörde mit dem Absingen der „Bandiera Rossa“.

Der Film nimmt amüsant vorweg, was heute Hochkonjunktur hat, den Kult um TV- und Sterneköche und Sternelokale, um Foodfluencer.

Sorgfältig ist der Film auch von der Ausstattung her; möglichst getreulich 50er/60er Jahre; was dem Kundigen des Schweizer Dialektes noch auffallen könnte: wie hervorragend die Dialoge auch mit Zeitcolorit versehen worden sind, mit Ausdrücken, die eine heutige, junge Generation allenfalls vom Hörensagen kennt. Das ist eine Rosine, die über die Untertitel kaum vermittelbar ist, die aber diesem sprudelnden Erzählkino nochmal ein ganz eigenes Cachet verleiht.

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