Wo liegt der Wurm begraben in dieser Frauenfamilie?
Die zentrale Story im Film von Rosanne Pel scheint die von der Familie zu sein, die gemeinsam an einen entlegenen Ort reist und es nicht aushält miteinander. Eine Figur bleibt zurück, während die anderen zum Einkaufen fahren. In Frankreich spielt das. Sie bringen keine französische Spezialitäten mit, sondern nur gesundes Futter. Die zurückgebliebe Person ist düpiert, wusste nichts davon, dass die Familie einen Diät-Urlaub geplant hat. Geht zu Fuß los in die endlose Weite. Wird mit Blasen an den Füßen mit dem Auto eingeholt.
Gewicht mehr auf der Beziehungsalltäglichkeit als darauf, dass es eine gleichgeschlechtliche Beziehung ist. Regieintention bei den Dialogen scheint die Improvisation zu sein; ähnliches gilt für die Kamera, die spontaneistisch reagiert, was momentweise wie zerfahren wirkt.
Die Szenen geben sich fragmentarisch wie Ausschnitte aus einem Familienleben, bei dem die Routinen dominieren und überhaupt nicht das, dass das zentrale Paar zwei Frauen sind, Lehrerin und Noe (kann man davon leben?). Die verkehren bei der Mutter der einen – sie scheint bei Pflegeltern aufgewachsen zu sein – und zum Paar kommt noch Schwester Charlotte (represents writing talents) dazu, die im Leben zu stehen scheint wie ein Grashalm im Wind.
Fein verpackter roter Rosenkohl als Weihnachtsgeschenk von Mama. Mutter spendet monatlich Euro 100 für Esel Eddie auf einer ungarischen Eselsfarm. Damit wäre der Titel erklärt.
Die Haltung des Filmes scheint eher kapitulierend oder fatalistisch zu sein; er versucht weder die Ursachen für das Eselstum in der Familie noch irgendwelche Mittel zu suchen, das zu ändern. Beschreibung von Familie als einer naturgegebenen Katastrophe, als eines Zwangszusammenhanges von Menschen, die nicht zusammenpassen.
Der Film hält lukullische Intermezzi aus der Lesbenszene vor, Themen-Event-Party (auch gemischt), Performance (mit Rotfilter) oder wildes Tanzen (nach Mutters Todesfeier). Ein Krach entwickelt sich zwischen den Schwestern Anna und Charlotte wegen der Planung des 85. Geburtstages der Mutter.
Der Film bewegt sich konsequent entlang der Kräusellinie der Tagesoberflächlichkeit. Die Figuren haben keine Geschichte und keine Ziele; es interessiert nur ihre Befindlichkeit.
Symbolisch für die Ansicht von Familie kann der Essensbatz gesehen werden, den die Damen in einem feinen Lokal anrichten. Wirkt künstlerisch-malerisch.
Vielleicht könnte man das auch ein Flash-Kino nennen, ein Kino, das aus lauter flashigen Momentaufnahmen besteht, aus kurzen Aufblenden in einem zusammenzubastelnden, zu vermutenden Gesamtzusammenhang.
Auch um zwei Schwestern geht es in Sentimental Value – in einer anderen Kinodimension.