Empfindsam Empfundenem nachspüren
Dieser Film von Charlie McDowell nach dem Drehbuch von Robert Jones ist die Verfilmung des Romanklassikers von Tove Jansson. Sie selber verbrachte die Sommer auf einer Insel in einem Archipel.
Der Film beschreibt einen dieser Sommer. Passieren tut nicht viel. Der Film konzentriert sich auf die Atmosphäre, die für die jüngste der Besucherinnen, Sophia (Emily Matthews), anödend, langweilig wirkt. Denn außer ihr ist nur noch ihre Oma (Glenn Close) da und ihr Vater (Anders Danielsen Lie). Der steckt in tiefer Trauer über den Tod seiner Frau.
Sophie fühlt sich zur Oma hingezogen. Die beiden philosophieren über das Leben. Eine Randfigur ist Eriksson (Ingvar Sigurdsson). Der bringt per Schiff ein Paket. Es handle sich um Dinge für das Mittsommerfeuerwerk. Das ist eines der Themen, aber auch, wundert sich die Oma, ob er sich denn nach dem Vater oder nach ihr erkundet habe. Mehr Hinweis auf das Verhältnis zu ihm gibt es nicht.
Vater baut einen Reisighaufen, der wird vom Regen bedroht. Mit Sophia versucht er, eine zerrissene Blache darüber zu legen. Alles ganz unaufgereget, mit einem Understatement präsentiert, als lohne es sich gar nicht, darüber zu erzählen.
Einmal lässt sich die Oma mit Sophie vom Vater mit dem Motorboot zu einem verlassenen Leuchtturm schippern. Den besichtigen die beiden.
Einmal entdecken sie bei einem Ruderbootausflug eine andere kleine Insel mit dem Schild, dass das Betreten verboten sei, Privateigentum. Da zeigt sich der Widerstandsgeist der Oma. Jetzt wird erst recht an Land gegangen. Und es sitzt sich bequem in den feinen Gartenmöbeln. Ein Boot nähert sich. Oma und Eneklin fühlen sich ertappt, ein Krimi könnte sich anbahnen, aber nix da, sie werden entdeckt von der Familie Malander (Pekka Strang, Sophie Heikkilä und Theo Zilliacus) – und freundlich behandelt. Alles keine weltaufregenden Dinge.
Eindrücklicher vielleicht ist nebst der wunderbaren Enkelin die betagte Glenn Close. Was die sich zumutet, wie sie über diese schrägen Felsen zirkelt, stakst, sich fortbewegt, barfuß dazu. Wie sie gar mit der Enkelin in eine Höhle kriecht. Und dann ist wieder ihr Gebiss in Großaufnahme zu sehen im Wasserglas neben dem Bett.
Der Regisseur hat einen soghaften Mix montiert aus Szenen, in denen faszinierend wenig passiert, und dann wieder ruhigen Naturaufnahmen, aber auch Sturm gibt es, Regen.
Es ist eine Romanverfilmung, bei der man sich lebhaft den vorbildgebenden Roman als einen wunderbaren Roman vorstellen kann und der ohne die häufig bei Literaturverfilmungen nervig zu beobachtende Ab-Blatt oder Blatt-für-Blatt-Szenenkonstruktion auskommt. Man wird förmlich reingezogen in die Welt des Romans oder denkt, das wäre sicher ein Traum für viele Künstler und andere Menschen auch, Tage auf der einsamen Insel zu verbringen. Eine Plätschermusik wird unaufdringlich drüber gelegt, wie ein Bach, dessen Murmeln im Hintergrund Ruhe und Gelassenheit verströmt.