Familienbande und Lügengespinste
Mutter Fatima (Malika Zerrouki) ist Algerierin; sie ist verwitwet und lebt in Lyon. Hier sind auch ihre drei Töchter und Sohn Mehdi (Younès Boucif). Dieser ist dabei, mit seiner Geliebten Léa (Clara Bretheau), das Restaurant Le Baratain von Bernhard (Gustave Kervern) zu übernehmen.
Fatima ist eine Mutter, wie man sie sich im Büchlein vorstellt. Sie tut alles für ihre Kinder, zu viel im europäischen Sinne, sie will auch deren Liebes- und Familienleben bestimmen, für den Sohn hat sie eine aparte Braut ausgeguckt.
Aber die Familie lebt in Frankreich, die Kinder haben andere Werte kennengelernt. Gleichzeitig wollen sie die Mutter nicht enttäuschen. Das ist ihr Konflikt, nicht nur der von Mehdi. Und was tut man nicht dem Familienfrieden zuliebe? Man lügt und täuscht, man lässt sich auf falsche Spiele ein.
Mehdi kann unmöglich seiner Mutter Lea vorstellen, er kann ihr nicht einmal von ihr erzählen. Und die Eltern von Lea wollen die Mutter von Mehdi kennenlernen.
Die Zwickmühle in der Mehdi steckt, wird immer verzwickter. So wird die Idee ausgeheckt, dass seine Bekannte Souhila (Hiam Abbass), eine attraktive Frau mit einer bunten Vergangenheit, die die Bar Mostaganem betreibt, die Mutter spielt.
Damit wird eine Rollentauschkomödie initiiert, Souhila mit blonder Perücke als arabische Mama aus Oran.
Regisseurin Amine Adjina, die mit Fabien Gorgeart auch das Drehbuch geschrieben hat, umschifft die Klippen billiger Schenkelklopfkomödien wie auch simpler Feelgoodkomödien mit feiner Ernsthaftigkeit; sie lässt den Figuren Zeit, ihr Situation zu durchdenken und zu überlegen, wie es weitergehen soll. Andererseits hat sie wunderbare Akteure im Ensemble, die der Geschichte zu einer munter-sinnlichen Realität und Wahrheit verhelfen. Dass das Essen, interkulturell als auch familiär, keine nebensächliche Rolle spielt, verspricht der Titel; aber auch hier werden die Fallstricke kulinarischer Komödien mit Bedacht umgangen.