Lilies Not For Me (BR Queer) (BR, Donnerstag, 25. Juni 2026, 23.15 Uhr)

Horror, der unendlicher Romantik in die Parade fährt.

Testikelverpflanzungen sind die historischen Begebenheiten, auf die sich dieser Film von Will Seefried beruft, ein Verfahren aus den 1910ern und 1920ern, das von einem später mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichneten Arzt durchgeführt wurde, um Homosexuelle von ihrer Krankheit zu heilen. Allein diese Vorstellung ist der Horror. Dieses Horrible kommt besonders zur Geltung, da der überwiegende Teil des Filmes in unendlicher Bild- und Liebesromantik schwelgt.

Im Zentrum ist die Liebe der Jünglinge Owen Jamer (Fionn O’Shea) und Philipp (Robert Aramaya). Die heiße Phase ihrer Liebe wird in weichen Farben in ebensolchem Licht geschildert.

Owen wird Schriftsteller. Mit seinem Buch „Ein untauglicher Soldat“ hat er Erfolg. Ein wichtiger Horroreinschluss im Film ist der Aufenthalt von Owen, Jahre später, in einer psychiatrischen Klinik. Krank, klar. Aber auch zum Krankwerden.

In der Klinik soll Schwester Dorothy (Erin Kellyman) den jetzt bleich gezeichneten Owen in Gesprächen an einem Esstisch in einem praktisch leeren Esssaal behandeln. Sie hat Verständnis für Owen. Sie besorgt ihm eine Schreibmaschine, die ihm entzogen wurde.

Blicke zurück schildern, wie es so weit gekommen ist. Philipp, der Medizin studierte, will sich von seiner Krankheit heilen lassen. Er hat den Eingriff genau studiert, der kann auch von Laien durchgeführt werden. Owen und Philipp versprechen sich, sich gegenseitig zu heilen. Erst führt Owen den Eingriff an Philipp durch; Szene auf das Konto der Horrorseite des Filmes.

Geübt wird das Nähen der Wunde an Orangen. Kein Problem für Owen, der auch stickt. Owen möchte dann aber nicht, dass Philipp den Eingriff an ihm vornimmt.

Die zwei Liebenden leben in einer lauschig-romantischen Bruchbude im Grünen. Eines Tages taucht dort Charles (Louis Hofmann) auf. Der ist auf der Suche nach seinem Vater. Der Zuschauer hat dazu bereits eine Info.

Da Philipp geheilt ist, entwickelt sich eine Liebe zwischen Owen und Charles. Der ist in der Stadt verheiratet und hat ein Kind. Aber er hat auch dieses Verlangen nach Männern. Er denkt nicht daran, geheilt werden zu wollen. Er gibt Owen Tipps, wo in der Stadt sich Männer treffen.

Horrorperspektiven und -bilder liefert die psychiatrische Anstalt. Gegen die setzt der Film Bilder von Meer, Natur, freien Körpern, Schönheit. Aber, dass Menschen das nicht schön finden können, das macht frösteln. Vom Text her liefert ein Gedicht über Lilien den romantischen Input.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert