In Coburg, Canada,
und in Toronto
Coburg in Kanada ist eine Kleinstadt. Hier ist Sam (Elliot Page) in bürgerlichen Verhältnissen bei Mutter Miriam (Wendy Crewson) und Vater Jim (Peter Outerbridge) mit Geschwistern aufgewachsen. Es war eine schwere Jugend in dieser Kleinstadt, weil Sam als Mädchen geboren war, sich aber als Junge fühlte.
Sam ist nach Toronto abgehauen und hat wenig Kontakt zur Familie. Es taugt ihm hier, er lebt sein Leben als Schlampe, wie er sagt. Er ist ein aparter, feingliedriger Mann, der Tiefe und Ernst ausstrahlt. Er wohnt in Toronto bei einer Freundin, wie er sagt, es ist Emily (Sook-Yin Lee). Das Verhältnis ist ein offenes, vertrautes.
Der Geburtstag seines Vaters führt Sam zurück. Im Zug trifft er Katherine (Hillary Baack). Die beiden haben sich zu Schulzeiten prima verstanden. Sie ist in Coburg geblieben, verheiratet, zwei Kinder.
Der Film spielt vor allem in Coburg und dort im Elternhaus von Sam. Er wird zu einer Rückschau auf das Leben von Sam, was er alles durchgemacht hat. Im Nachhinein zeigt sich, dass von Elternseite enorme Ängste, aber auch Verständnis da gewesen ist.
Einen dramatischen Mittelpunkt hat der Film in der Auseinandersetzung mit dem neu in die Familie aufgenommenen Schwager Paul (David Reale). Der ist überfordert mit Sam und seiner Transgeschichte. Er fährt die üblichen Klischees, Vorurteile und Provokationen auf. Er repräsentiert jene Seite der Gesellschaft, die mit dem Phänomen nicht umgehen kann.
Mit Katherine hingegen trifft sich Sam wieder. Die beiden geben ein im Kino – und wohl auch im Leben – selten zu findendes Beispiel von Vertrautheit und Verständnis, von Offenheit. Katherine wird sagen, sie habe sich damals bei ihm einfach wohlgefühlt, obwohl sie kein Liebesverhältnis hatten. Sie hat sich bei ihm aufgehoben gefühlt, sicher.
Der Film von Dominic Savage, der mit seinem Protagonisten Elliot Page auch das Drehbuch geschrieben hat, schildert das verhalten, subtil, menschlich. Wie er überhaupt sein Thema diskret und zurückhaltend angeht. Fast am Rande der Erkennbarkeit zeigt er einmal die Narben der Brust-OP von Sam. Ein weicher, leicht verspielter Sound begleitet die Erzählung.