What a Feeling (BR Queer) (BR, Donnerstag, 16. Juli 2026, 23.15 Uhr)

„Ich geh jetzt meine Zeit verbringen mit Leuten, die im 21. Jahrhundert leben“.

Damit meint die Protagonistin Dr. Marie Theres Wallner (Caroline Peters), sie treffe sich mit Leuten, für die es keine Rolle spielt, ob ein Mann eine Frau oder einen Mann oder eine Frau einen Mann oder einen Mann liebt. Was eigentlich längst selbstverständlich sein sollte; Glück ist Privatsache und was geht das Intimste, das Bett, die anderen an.

Aber so selbstverständlich scheint das auch heute noch nicht zu sein. Im französisch-luxembourgischen Film Love Me Tender dreht ein Mann nach der Trennung durch, wie seine Frau ihm erzählt, sie sei jetzt mit einer Frau zusammen.

Und eigentlich ein schlechtes Zeichen für unser fortgeschrittenes 21. Jahrhundert, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich bemüßigt fühlt, extra eine Queerreihe aufzusetzen und die dann noch ganz verschämt, als ob dies etwas Anrüchiges sei, tief in der Nacht zu senden.

Der Film von Kat Rohrer behandelt das Thema mit österreichischem Charme, mit einer Komödiantik sondergleichen, wie selten in diesem Themencluster.

Caroline Peters spielt ihre Rolle des Dr. Wallner in der Art eine großen Komikerin, die von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Die aus allen Wolken fällt, wie ihr Mann Alexander (Heikko Deutschmann) nach einer Auszeit, nackt im Dschungel, eine weitere Auszeit braucht und auszieht.

Wallner ist Ärztin in einem Wiener Krankenhaus und fassungslos. Das wirkt sich auf ihre Arbeit aus, worauf ihr Chef Dr. Brinkmann (Joseph Lorenz), ganz Macho, sie vorläufig beurlaubt. In ihrer Verzweiflung über ihre Mannes Auszug kippt sie einen zuviel hinter die Binde und landet sturzbetrunken, nicht nur angetüdelt, in der Pussy Cat Bar. Und, wie ein Sprichwort sagt, man begegnet sich immer zweimal (es kann dann auch mehr werden), stößt sie hier auf Fa Safir (Proschat Madan).

Mit Fa hatte Wallner auf der Straße schon einen unfreundlichen Zusammenprall. Fa ist die Tochter der Patientin Samira (Nicole Ansari-Cox), einer Iranerin, die mit ihren drei Kindern nach Österreich ausgewandert ist.

Aus dem Zusammentreffen in der Bar wird eine Nacht, von der Resi, wie Theres abgekürzt genannt wird, nicht mehr genau weiß, was da war. Jedenfalls stolpert sie in die lesbische Liebeswelt vollkommen unvorbereitet, so etwas hätte sie nie gedacht, hätte sie sich nie ausmalen können, wäre ihr um nichts in der Welt auch nur in den Sinn gekommen. Und dann war es plötzlich da. Und gar nicht so übel.

Der Film arbeitet gekonnt mit Komödienstrukturen. Er jongliert mit dem Thema, dass so was verschwiegen werden müsse, versteckt, dass erst recht für die iranische Familie Lesbentum ein großes Tabu sei und auch Resi möchte es vor ihrer Tochter Anna (Allegra Tinnefel) verborgen halten.

Geschickt schraubt der Film die Verwicklungen, die sich durch den Beruf von Resi und die Krankheit der Mutter von Fa und der Liebesgeschichte ergeben, zu immer neuen Konstellationen und Konflikten hoch und kriegt dann rechtzeitig die Kurve zu einem Happy-End. Die als Eiszapfen apostrophierte Ärztin wirkt dann abgeschmolzen, befreit.

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