Fluss

Von der Austauschbarkeit der Elbe
oder vom Fluss an sich?

Der Titel weist nicht auf das Objekt des Interesses dieser Dokumentation hin, er weist auf das Sein eines Flusses als eines solchen hin, also auf das Wesen, insofern ausdrücklich auf die Austauschbarkeit oder Allgemeingültigkeit. Nun, man stelle mal in einem konkreten Film die Austauschbarkeit des Gegenstandes seines Interesses dar. …

Die leitende Frage für diese Dokumentation von Timo Großpietsch, redaktionell betreute von Marc Brasse und Christian von Brockhausen vom NDR scheint nicht die gewesen zu sein, wie jene der Filme von Volker Koepp (zuletzt: Chronos – Fluss der Zeit): was für einen Menschenschlag, was für eine Geschichte, was für eine Kultur eine Flusslandschaft hervorbringt. Koepp, der die Landschaft zum Vorwand nimmt, sich für den Menschen zu interessieren.

Hier scheint es genau der umgekehrte Fall zu sein: die Landschaft, die Flusslandschaft, den Fluss als Vorwand genommen, sich nicht für den Menschen zu interessieren, allenfalls für minime Ausschnitte aus Industrien und Mechaniken um einen – austauschbaren – Fluss herum, für diesen beschränkten Sektor einer Industriefotografie.

Das leitende Interesse dieses Filmes, wenn denn überhaupt eines da war, scheint kaum flussspezifisch gewesen zu sein, eher fließwasserspezifisch oder allenfalls flussbautenspezifisch, – ok, alles, was sich mechanisch bewegt, das ist selbstverständlich von Nutzen für die Leinwand, fürs Kino, what moves…, was es da an Dämmen, Mühlen, Kraftwerken, Zementwerken gibt und wie die sich fotografisch, lieber mit keinen als nur mit wenigen Menschen, ins Bild bringen lässt.

Vor allem scheint den Dokumentaristen fasziniert zu haben, zum Fließgewässer eine Tonspur wie eine eigenes Konzert komponieren zu lassen (Musik: Vladyslav Sendecki); das ist gelungen, allerdings eine Musik, die vermutlich nicht das geringste mit dem Sound der Elbe, auch dem kulturellen der Anwohner, zu tun hat.

Flusspezifisch bleiben die Kilometerangaben und Namenshinweise bei den Bildunterschriften zu bestimmten Örtlichkeiten.

Zwischendrin historisches Footage vom Bau eines Dammes oder eines Flusskraftwerkes. Zwischendrin touristisches Footage, auch mal zwei Flussangler. Dann wieder industrielles Footage, Details maschinell-industrieller Vorgänge von Steinbruch- und Steinabbau-, Steinsprengarbeiten, das ermüdet, ist ja doch immer dasselbe, diese maschinellen Bewegungen, die Riesenräder, die sich drehen, und auch die Musik tut sich schwer, nicht in eine Routine zu verfallen.

Der Film wirkt mehr wie ein Videoclip zur Bebilderung eines Konzerts mit moderner Musik.

Aus Dresden gibt’s Hochwasserfootage. Zwischendrin hat der Filmemacher den Narren an Militärtransportern nachts und an Soldaten im Nebel gefressen, die ein Boot in den Fluss lassen. Bau einer Pontonbrücke oder eine Fähre. Ja, ja, das Militär ist heute wieder salonfähig.

Der Regisseur scheint ein Drohnenimmersatt zu sein. Auch das ermüdet, diese ewigen Drohnenflüge über dem Fluss.

Unklar bleibt, wer, außer den grünes-Licht-gebenden Fernsehredakteuren, den Film sehen möchte.
Und dann plötzlich historisches DDR-Footage.

Hier zeigt sich ein nicht allzu reflektierter Begriff von filmischem Dokumentarismus. Interessieren würde einen auch, was der Anteil des im Abspann erwähnten dramaturgischen Beraters Olaf Jacobs ist.

Lasst uns mit Heraklit ergänzen, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann.

Eine Produktion des Norddeutschen Rundfunkes.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.

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