Interculture-Flan
Alain Gomis will nicht den Culture-Clash zwischen Europa und Afrika, konkreter zwischen Frankreich und Guinea-Bissau. Er will nicht die Messer kultureller Besserwisserei oder irgendwelcher Leidensgeschichten wetzen. Er will keine Jammergeschichte, kein Klagelied, kein Lamento.
Alain Gomis juckt das Feine an verschiedenen Kulturen, er will es festlich, extensiv aufmischen. Das gelingt ihm wunderbar.
Erstens stellt er schon mal klar, dass es ein angerichtetes Menü ist, dass die Menschen Rollen spielen, dass einige davon Profischauspieler sind, die meisten nicht. Er baut Szenen aus dem Casting in den Film ein.
Er zaubert eine Familiengeschichte aus dem Hut, die so abwegig nicht ist. Er schickt seine Protagonistin Gloria (Katy Correa) zu zwei großen Familienanlässen.
In Südfrankreich, wo Gloria lebt, findet die Hochzeit ihrer Tochter Nour (Karrey Correa?) mit James (Mike Etienne) statt. Sie reist aber auch mit der Tochter in den Senegal zur Beerdigung ihres Vaters auf dem Dorf.
Es sind zwei traditionelle Großereignisse, die der Regisseur lässig ineinanderschneidet. Es wirkt so, als hätte er nur hingehen brauchen mit der Handkamera und als hätte sie ständig genügend Futter gefunden.
Masseninszenierungen, viel Musik, Tanz, sowohl auf der Beerdigung als auch auf der Hochzeit. Die Gesellschaft in Frankreich ist gemischter, im Senegal afrikanischer. Immer wieder entdeckt der Regisseur aber auch intimere Moment, Zwiegespräche. Die sind wie sparsame Würze in einem delikaten Mahl, streifen en passant grundsätzliche Themen wie die Stellung der Ehefrau auf dem afrikanischen Dorf oder Männer unterhalten sich über das Erziehungsmittel der Schläge, aber auch die Geschichte spielt hinein, der Kolonialismus, der Wunsch nach Emigration, beiläufig kommen zwei Darsteller an einer Gedenkstätte für das Sklaventum vorbei.
Im Zusammenhang mit der Beerdigung nehmen animistische Traditionen breiten Raum ein. Der Butchegal muss einen Uchoss durchmachen, wird befragt, nach seinem Verhalten im Leben.