Der skrupulöse Gesetzesbrecher
Das macht Hippolyte (Christian Clavier) so sympathisch, er ist ein Gauner durch und durch, hat im Knast gesessen und betreibt mit einem zur Werkstatt umgebauten Lieferwagen den Schlüsseldienst „Schlüssel zum Glück“.
Je mehr Hippolyte versucht, Geld am Fiskus vorbeizuschleusen, desto mehr betont er die Gesetzlichkeit und dass er auf gar keinen Fall Schwarzarbeit mache, dass er allenfalls auf die berechnete Mehrwertsteuer verzichten könne. Und das betont er mit unwidestehlicher Inbrunst. Das auf diese Weise dem Staat entzogene Geld bleibt für jegliche Internetspäher unsichtbar bestens aufbewahrt in einer Blechdose fürs Konfekt bei Muttern.
Viel anders läuft es beim großen Zementkonzern auch nicht. Richard (Gilles Cohen) will den Auftrag für den Neubau des Gigaairports von Taschkent reinholen. Das geht nicht ohne Schwarzgeld. Bei ihm liegt es für Fiskus und Internet unsichtbar in einer schwarzen Aktenmappe im Safe. Das ist ein Spoiler, den aber auch der Film nicht lange für sich behält.
Das Geld soll der auf einen Aufstieg in der Karrierleiter wartende Mitarbeiter Stan (Rayane Bensetti) mit dem Firmenjet nach Taschkent bringen. Stan liegt im Dauerclinch mit seiner aparten Freundin Marine (Claire Chust). Bewährtes dramaturgisches Mittel, um eine professionelle Komödie wie diese ein paar Touren höher zu schrauben.
Durch Missverständnisse entwickeln sich die Dinge, durch Missverständnisse prallen im wörtlichen Sinne die beiden Protagonisten Hippolyte und Stan aufeinander, durch Missverständnise schmeißt Stan den Schlüssel zum Tresor, in dem das Geld aufbewahrt wurde, weg, durch weitere Missverständnisse sucht er diesen dringend, weil er das Geld nach Klärung eines weiteren Missverständnisses wieder zurückbringen will. Der Schlüssel ist aber bereits im Müll gelandet.
So wird Stan auf Hippolyte angewiesen sein, der ihm ein Duplikat des Schlüssel anfertigen soll. Geht nicht so easy, weil tausend widrige Umstände dagegen arbeiten, Beziehungskisten inklusive.
Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn zu einem bestimmten Zeitpunkt muss alles so sein wie vorher, nichts darf auf die Turbulenzen der Nacht hinweisen und Hippolyte ist nicht auf den Kopf gefallen; er spielt sein eigenes Spiel.
Grégoire Vigneron, der mit Isabelle Jaquet und Julie Ponsonnet auch das Drehbuch geschrieben hat, inszeniert die Komödie mit Rasanz und da es sich um eine robuste Komödie mit ebensolchem Handwerk gezimmert handelt, zudem um ein dialoglastiges Stück, ist auch die deutsche Synchro, dem Verständnis eher hilfreich denn störend.