Zeitnah
zum Challenge Roth am 5. Juli sendet der BR unter redaktioneller Obhut von Sonja Hachenberger diese Werbesendung für den Triathlon von Roth, einem privaten Unternehmen.
Die Lebenslinien von Maike Conway können sich deshalb nicht entscheiden, was sie sein wollen. So direkt dürfen sie ja nicht Werbesendung für ein privates Unternehmen sein. Einen klaren Einblick in das Familienunternehmen bieten sie aber auch nicht, schon gar keinen Hinweis auf Rechtsform, Besitzverhältnisse, Geschäftsvolumen und Gewinn. Lediglich der Werbebegriff des „weltgrößten Langdistanz Triathlons“ kommt vor. Die Protagonistin wird nicht eindeutig als Unternehmerin gewürdigt. Ist sie CEO, ist sie Inhaberin? Immerhin ist zu erfahren, dass diese und ihr Bruder fulltime ins Unternehmen involviert sind.
Diese Lebenslinien ziehen sich teils das Mäntelchen eines Gesundheitsfilmes an, im Sinne der Apotheken Umschau und deren Publikumswirksamkeit als, wie es einst hieß, auflagenstärkstem Printmedium. Es geht umd die vererbliche Herzkrankheit der Protagonistin als auch von deren Mutter und auch der Tochter.
Die Info über die Herzerkrankung bleibt ungenau. Man erfährt, dass die Betroffenen sich damit arrangieren (Kommentar). Es gibt ärztliche Beratungesgespräche, die hier öffentlich werden. Aber die bleiben für eine Gesundheitssendung zu bruchstückshaft. Es gibt keinerlei Hinweise auf die hohe Entwicklung der Herzmedizin; bis auf die Äußerung der Protagonistin, dass sie im Gegensatz zu ihrer Mutter dank jener noch am Leben sei. Aber auch das bleibt diffus.
Um die Diffusität (oder den Nebel, der den Werbecharakter einhüllen soll) noch zu erhöhen, gibt es Brösel aus dem Familienalbum, Super-8-Clips; Bilder aus dem privaten Familienleben; dann diese unsäglichen redaktionellen Voice-Over-Texte mit – immerhin – einer Stimme, die hervorragend auch zur Apotheken Umschau passen würde.
Sicher, jeder Unternehmer muss entscheiden, wie er für sich Werbung machen will. Werbung im redaktionellen Teil von Medien unterzubringen, das ist der Clou für Werbetreibende. Wenn Swatch es schafft, dass über Warterituale, gar Schlägereien, im Zusammenhang mit einem neuen Produkt auf den Redaktionsseiten berichtet wird, so drehen die Werbefritzen schier durch. Und wenn ein privat und kommerziell organisierter Triathlon es schafft, eine Dreiviertel Fernsehstunde gratis zu platzieren …
Spannender als diese Lebenslinien selbst wäre, zu erfahren, wie es dazu gekommen ist, wie und von welcher Seite aus der Erstkontakt stattgefunden hat, wie sich dieses Geschäft angebahnt hat, mit welcher Begründung der Auftrag zur Produktion redaktionsintern abgesegnet worden ist, wie es zu diesem Sendetermin so kurz vor dem entscheidenden Tag im Familienunternehmen gekommen ist.
Aber wir sind ja so unmündige Bürger und Rundfunkfinanzierer, solche Dinge zu erfahren, das würde uns bestimmt überfordern, wir nennen den Rundfunk ja auch nur öffentlich, dabei passiert dort so vieles im Verborgenen; wobei es in Zeiten des Internets kein Problem wäre, auch solche Dinge publik zu machen. Ein kleiner Vermerk bei den Titeln oder im Abspann: diese Sendung kam auf Initiative/Ersuchen des Protagonisten zustande.
In diesem speziellen Fall müsste geklärt werden, ob es der Redaktion darum gegangen ist, jemanden mit einem erblichen Herzfehler zu finden. Da es davon bestimmt Hundertausende im Lande gibt, wäre wohl die erste Anfrage an die Herzmedizin gegangen. Und dann schauen, ob da spannend zu erzählende Lebensläufe zu finden sind, vielleicht eindrücklichere, solche, bei denen zu den üblichen Problemen in einem Menschenleben wie Geburt von jüngeren Zwillinggeschwistern oder Todesfällen in der Familie noch weitere, schwer oder kaum zu bewältigende Lebenskonflikte hinzukommen.
Hier wirkt es eher so, dass ein Push von Seiten der Protagonistin der Erstanstoß war. Denn das Bemühen, den Werbefaktor zu verstecken, das prägt die Sendung, darum ist sie so nicht Fisch nicht Fleisch, nicht recht Werbesendung, nicht recht Unternehmensgeschichte, nicht recht Krankheitsgeschichte, nicht recht Familiengeschichte, nicht recht Biopic, nicht recht Triathlon-Organisationsgeschichte, schon gar nicht Liebesgeschichte, nicht recht Roth-Lokalgeschichte, weil es nur Vorwand ist, um Sendezeit für das bevorstehende Event zu krallen.
Da auch das Spekulation bleibt, schlagen wir vor: künftig sollen die Protagonisten für solche offensichtlichen Werbesendungen bezahlen, immerhin eine dreiviertel Stunde TV-Zeit auf einem festen Sendeplatz, das darf man nicht unterschätzen. Das könnte die Beitragszahler entlasten.
Und wieviele Freikarten für das Stadion am Eventtag sind aus Roth an die BR-Redaktion gegangen?
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die regelmäßig zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.