Tourette Syndrom
Der Film von Kirk Jones ist beides: ein Themenfilm zum Tourette Syndrom und gleichzeitig der Abriss eines Biopics von John Davidson (Robert Aramayo, mit 13: Scott Ellis Watson).
Der Film erzählt, wie das Syndrom mit etwa 13 bei dem jungen Mann sich bemerkbar macht. Bis dahin war er beim Fußball in der Schule ein Vorzeige-Torhüter, doch genau in dem Moment, wie ein Talent-Scout ihn anschauen will, versagt er.
Der Grund ist im doppelten Sinne das Syndrom. In der Schule bekommt er vom Direktor Schläge auf die Hand wegen schlechten Benimms: eine Syndrom-Äußerung, die von der Umwelt als Affront taxiert und nicht verstanden wird mangels Info.
Auch John selbst weiß darüber bislang nichts, leidet nur darunter. Nach der Diagnose wird er medikamentös behandelt. Die Krankheit selbst wird als nicht heilbar dargestellt; er müsse also für den Rest des Lebens Medikamente nehmen.
Der Film macht einen Sprung über 13 Jahre, John ist 26 Jahre alt, gilt als arbeitsunfähig. Er lebt zuhause, die Mutter ist überfordert, der Vater hat die Familie verlassen. Er trifft den früheren Schulfreund Murray (Francesco Piacentini-Smith) wieder, der eine Abenteurerauszeit in Australien hinter sich hat. Dieser lädt ihn zu sich nach Hause ein. John will kneifen. Da befiehlt ihm, das ist sehr schön inszeniert, die Stimme seiner Mutter Dottie (Maxine Peake), reinzukommen.
Hier beginnt die Heilsgeschichte. Dottie ist Psychiatrie-Krankenschwester, erkennt die Krankheit, hat Verständnis. Als erstes gewöhnt sie John ab, sich zu entschuldigen für die krankheitsbedingten Ausfälle, auch zu verstehen, dass es sich um eine Krankheit und nicht um eine Behinderung handle. Als nächstes setzt Dottie behutsam die Medikamente ab. Sie lässt John zu ihrer Familie ziehen.
Der Film pickt sich als weitere wichtige Punkte in Johns Biographie heraus, dass er arbeiten kann als Assistent des Hausmeisters Tommy (Peter Mullan) im Gemeindesaal. Auch Tommy hat einen klugen Umgang mit dem Syndrom von John.
Eine Rolle spielt ein Prozess. Eine Frau, die er als Schlampe bezeichnet hat, zerrt ihn vor Gericht. Schließlich wird das weite Feld seiner Aktivitäten im Sinne der Selbsthilfe und Aufklärung zum Syndrom gestreift, die dazu führen, damit fängt der Film an und öffnet die Klammer seiner Erzählung, dass er von der Queen geehrt wird.
Im Abspann kommt mit einem Original-Clip von dieser Ehrung eine weitere Realitätsebene hinzu und weil man den Film gesehen und das Syndrom kennengelernt hat, befürchtet man kurz, wie er vor der zarten, hochbetagten echten Queen steht, es könnte ihm seine Linke zu einem gnadenlosen Punch ausrutschen.