Tod meiner Jugend

Harte Kost Kindsmissbrauch

Aus der Perspektive des Opfers fädelt Tim Jacobs, der mit Sophie Reyer und Daniel Jaro auch das Drehbuch nach einer wahren Geschichte geschrieben hat, wie ein Fallbeispiel, eine Biographie auf, die durch Missbrauch in der Kindheit geprägt ist.

Dieses Opfer heißt Kai Peter. Er wird in drei Lebensphasen dargestellt. Ausgangspunkt ist das Erwachsenenleben von Kai (Timo Jacobs). Er arbeitet als Hausmeister, ist verheiratet mit Melanie (Nadesha Brennicke) und hat den 15-jährigen Sohn Silas (Silas Peter), der Kickboxen trainiert und mal ein großer Kämpfer und Star werden will. Der Vater liebt ihn heiß und innig. Er reagiert höchst empfindlich auf das Wort „Asi“, weil er selber als solcher immer gehänselt worden ist.

Eine Begegnung in einem Baumarkt mit Klaus (Joscha Baltha) spült die Erinnerungen an Kais Kindheit hervor. Auch ein Wehwehchen am Anus mit blutigen Folgen tut das. Mit diesem geht er zum Arzt (Detlev Buck); wie der die manuelle Untersuchung starten will, rastet Kai aus.

Kai wird als blonder Bub von etwa 8 Jahren gespielt von Milo Eisenblätter. Der wächst bei einer verlotterten Mutter (Sarah Bauerett) auf. Diese überlässt den Buben gegen Geld ihren Freiern.

In der Jugendphase, in der Kai im Kinderheim ist, wird er gespielt von Wonneproppen Oliver Szerkus. Der hat als Lehrling schlechte Erlebnisse mit seinem Kollegen Klaus. Weil das alles in ihm aufstößt, recherchiert Kai im Internet, informiert sich darüber, dass manche Dinge schon verjährt sind.

Kais anderes Mittel zur Verarbeitung der Tragödie ist die Comedy. Er nimmt Kurse; diese erklären, wie Comedy zu funktionieren hat und dass das eine ernste Angelegenheit sei. Comedy als Therapie, das ist kürzlich erst verhandelt worden in Is This Thing On?.

Hervorrangend ist die Auswahl der Schauspieler und ihre Führung durch die Regie; sie schaffen eine große Glaubwürdigkeit; wodurch das Thema nur noch härter rüberkommt. So ein Kindsmissbrauch hängt einem ein Leben lang nach. Es gibt vermutlich nur die Möglichkeit eines Arrangements. Die leichte emotionale Angreifbarkeit dürfte für immer bestehen bleiben.

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