In Case We Never Meet Again

Warploitation

Noaz Deshe ist ein rumänischer, in Berlin lebender Filmemacher. Er ist bei uns schon mit Xoftex in Erscheinung getreten. Dort hat er sich als filmisches Substrat ein griechisches Flüchtlingslager vorgenommen für eine Dokumentation mit starkem Regiezugriff. Die Flüchtlingslager waren zu der Zeit ein Schlagzeilen-Thema.

Heute ist der Ukrainekrieg ein Thema (was zwar aktuell vom Irankrieg resp. dem aktuellen Stillstand in der Straße von Hormus beiseite geschoben wird), aber immer noch ein Schmerzthema. Dessen hat sich der Filmemacher, diesmal mit dem Amerikaner Beau Willimon, angenommen.

In die Regie mitineinbezogen haben die beiden Pyotr Verzilov, einen russisch-kanadischen Künstler, der als inoffizieller Sprecher von Pussy Riot galt.

Es sind also keine Ukrainer, die diesen ukrainischen Kriegsfilm mit deutlich inszenatorischem Zugriff produzierten.

Die Protagonisten sind die Mitglieder der Familie Koliada. Vater Zenith ist Soldat und an der Front. Mutter Tania hat sich mit den beiden Kindern Daryii und Stefania nach Kanada in Sicherheit gebracht. Das Ehepaar steht für die Liebesgeschichte im Film, für die Ehegeschichte. Eine Ehe, die durch den Krieg auf die Probe gestellt wird. Sie sagt an einer Stelle, dass sie sich von ihm getrennt habe. Sie besucht ihn dann aber. Da gibt es Family-Glück und eine zentrale Stelle, sehr inszeniert, im Film, ist ein langes Gespräche des Ehepaares über Liebe und Sex. Er meint, der Mensch brauche Sex und wenn er ihn nicht haben könne, dann hätte das negative Folgen.

Es fällt aber auch der Satz, im Krieg sei der Anus des Kameraden die beste Vagina. Zenith ist ein supergut, supermännlich aussehender Typ. Er gibt was her für die Kamera. Seine Frau und seine Kinder nicht weniger. Filmisch ist es ergiebig, wenn Kinder Krieg spielen, das tun sie ausgiebig, erst recht, wenn noch Raketeneinschläge zu hören sind und Explosionen und Feuerbälle taugen eh was für die Leinwand.

Es gibt häusliche Szenen, auch bei anderen Familien, die sind mit aufgeregter Handkamera gedreht, die spüren lässt, dass sie in den beengten Verhältnissen kaum weiß, wo sie sich hinstellen oder bewegen soll. Das erzeugt Intimität.

Es gibt Clips von einem Youtuber-Punk, von Gefechtsfeldern, von zerstörten Häusern und Aufräumarbeiten und auch von einer Beerdigungen eines im Krieg gestorbenen Soldaten.

Die Poesie darf nicht fehlen. Ein präpubertäres Mädchen sagt lyrische Sätze, was sie in einem gewissen Alter getan habe. Gegengewichtig zum Kriegsgeschehen erzählen Menschen von Träumen; es können aber auch Angstträume sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert