I Only Rest in the Storm

Reise nach Guinea-Bissau

Der junge Portugiese Sérgio (Sérgio Coragem) fährt mit seinem Schrottwagen von Portugal durch die Sahara nach Guinea-Bissau.

Der Film fängt Sérgio an einer Grenzstation in der Wüste ab. Erst wird eine falsche Fährt gelegt mit Großaufnahme auf einem Grenzer, der in der Sonne döst. Wüste, Sand. Ein paar Verkehrszeichen. Ein Wagen nähert sich. Darin ist Sérgio. Gegen ein Buch, das er als Geschenk dem Grenzer da lässt, darf er passieren.

Sérgio ist für die NGO Bandim auf dem Weg zu einem Projekt in die ehemalige portugiesische Kolonie. Es geht um einen Straßenbau im Mündungsgebiet eines Flusses, das von verschiedenen Stämmen in alter Tradition bewohnt wird, teils auf Häusern auf Flussinseln. Sie leben vom Reisanbau.

Die Frage ist, ob der Straßenbau gut ist oder schlecht für die Leute. Der Kapitalismus und die Zementindustrie haben Interesse am Bau. Es gibt aber auch ein Naturschutzreservat und die alte Kultur des Dammbaus der Einheimischen, mit denen sie die Reisefelder vor dem mit der Flut herangedrängten Meerwasser schützen.

Hier kommt der Faktor des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels ins Spiel. Sergio soll für die NGO Bodenproben nehmen und einen Bereicht abliefern. Um den gibt es ein gewisses Geheimnis, denn sein Vorgänger, der das hätte tun sollen, ist unter nicht geklärten Umständen verschwunden.

Damit fügt Pedro Pino (A Fabrica de Nada), der mit Miguel Seabra Lopez und Luisa Homem auch das Drehbuch geschrieben hat, seinem Film, der oft nah am Dokumentarischen ist und extensiv erzählerisch gestaltet, als Unterton ein Thrillerelement bei. Das aber nur ganz im Hintergrund.

Des Filmemachers Hauptinteresse sind große Themen wie Gerechtigkeit und Glück. Mit beidem wird Sérgio konfrontiert. Es gibt Gespräche mit einem Reichen, der zynisch äußert, man müsse nur angesichts von großartiger Archtiktur an das Blut denken (und die Ausbeutung), die möglicherweise mit dem Bau zusammenhänge.

Der Kolonialismus, hier jener vorn Portugal in Guinea-Bissau, drängt sich in die Gespräche. Aber es geht auch um das persönliche Glück.

Sérgio ist als ein unentschlossener, unsicherer Mann gezeichnet. Er scheint die NGO und den Trip nach Afrika eher aus privatem Unglück und Desorientiertheit absolviert zu haben, als Flucht vielleicht, einer, der nicht recht weiß, was er will. Hier wird er, spät im dreieinhalbstündigen, extensiven Filmwerk, das hervorragend rezipierbar gestaltet ist, möglicherweise fündig.

Sérgio lernt in der City in einem queeren Club Guilherme (Jonathan Guilherme) kennen, der sich überwiegend als Frau kleidet, und Diara (Cleo Diára), eine lebenslustige, höchst attraktive Frau, die in einem gelb gestrichenen Container einen Salon mit Perücken und für Frisuren betreibt. Sie hat nicht nur eine starke Leinwandpräsenz, man kann sie sich auch gut merken mit der zierlichen Goldspange auf der Nase.

Diara und Guilherme schließen, scherzhaft, eine Wette, wer Sérgio ins Bett bekomme. Der scheint in seiner Untentschiedenheit offen für dies und jenes. Er ist aber auch nicht der wild entschlossene Abenteurer, eher ein Zauderer, der Dinge erst besprechen möchte. Das gibt dem Film, da er mit ihm als Hauptfigur arbeitet, eine wunderbar schwebende Betrachtungsweise all der schwierigen Themen wie kapitalistische Ausbeutung, Kolonialismus, Rassismus, Herrschaft und Unterdrückung, kulturelle Gegensätze und kulturelle Überheblichkeit.

Auf Foklore-Einsprensel verzichtet der Film nicht; macht Ausflüge zur Lebensart der Einheimischen. Er ist aber viel mehr als eine touristische Reise in ein Land, das nicht unbedingt im Fokus des Weltinteresses steht, es ist eine Reise ins Zentrum dessen, was die Fragen nach Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe zu beantworten suchen, aber auch die nach Veränderung und jene nach einer besseren Welt.

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