Finding Emily

Temporäre Psychose

Sigmund Freud, das Zitat von ihm stellt Alicia MacDonald ihrem Film nach dem Drehbuch von Rachel Hirons voran, beschreibt mit dem Begriff der temporären Psychose den Zustand, mit dem wir Liebe meinen. Wobei nach Sichtung des Filmes Verliebtheit gemeint sein muss, denn Liebe im tieferen Sinne gilt doch mehr für längerfristige bis lang anhaltende Beziehungen.

Tontechniker Owen (Spike Fearn) wird auf einer Party beim Anblick von Amy (Emily Ash) wie vom Blitz getroffen. Kurz vorm ersten Kuss wird sie von ihren Leuten zum Aufbruch gedrängt. Es reicht gerade noch, die Telefonnummern auszutauschen. Er versteht ihren Namen als Emily, sie geht ihm nicht mehr aus den Kopf, er ist in jenem Zustand aus dem Freud-Zitat am Anfang des Filmes.

Owen versucht, Amy anzurufen. Es fehlt eine Ziffer. Das weiß er noch von ihr, dass sie an der Uni studiert; der Film spielt im drögen Manchester und so sind die Leute auch gekleidet.

Owen ist liebestoll; das kommt beim Schauspieler Spike Fearn großartig zur Geltung mit seinen wie unkontrolliert wirkenden Bewegungen, seiner energischen Spontaneität, seinem Gestus, der keine Berechenbarkeit zulässt; etwas kindlich Getriebenes fasziniert an ihm.

Owen begibt sich zur Uni, um Emily zu finden. Er gerät an eine Emily (Angourie Rice). Die ist zwar nicht seine, aber sie verspricht ihm, bei der Suche zu helfen, ein nicht einfaches Unterfangen, da an der Uni über dreihundert Emilies eingeschrieben sind.

Emily ist hinterlistig und nicht ehrlich. Sie ist gerade dabei, eine Doktorarbeit zu schreiben, die von der selbstzerstörerischen Eigenschaft von Verliebtheit oder Liebe handelt; sie will Owen als Forschungs-Objekt benutzen.

Zwei inkommensurable Welten treffen aufeinander: jene der Amour Fou und jene der Wissenschaft. Die vertragen sich wie Feuer und Wasser und es ist abzusehen, dass, was der Film bald auch schon vermuten lässt, nämlich, dass Emily sich in Owen verliebt und – noch absurder – er sich statt in seine Emily in sie verlieben soll, nicht aufgeht, nicht funktionieren wird.

So wird neben Owen redlich geschauspielert und ab und an versucht der Film, wenn er es ernst meint mit der Liebe und weit entfernt vom Freud-Zitat mit Süßmusik drauf aufmerksam zu machen.

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