Ölschinkenkino
oder Kino fürs Nachmittagsteekränzchen. Man muss nicht viel denken dabei. Man bekommt in angemessen düsterem Ambiente die Atmosphäre des Waisenhauses Pietà im Venedig um 1716 vorgeführt, ganz im Gegensatz zum lichteren Floristenkino von Gloria! in welchem es auch um junge Frauen in einem Konvent in Venedig geht, allerdings um 1800 und die sollen Komponistinnen werden.
Hier im Film von Damiano Michieletto, der mit Tiziano Scarpa und Ludovica Rampoldi auch das Drehbuch geschrieben hat, sind die jungen Frauen gekleidet wie Nonnen; sie leben in einem christlichen Waisenhaus. Sie werden zu Musikerinnen ausgebildet.
Wenn die Kleinkinder im Waisenhaus abgegeben werden, können die Mütter eine Spielkarte halbieren. Die eine Hälfte wird in ein aufwändig gestaltetes Buch eingesiegelt, die andere Hälfte behält die Mutter und kann so später bei Bedarf ihr Kind wieder abholen, wenn die Mühsal und die Kosten der Erziehung und des Heranwachsens gemeistert sind.
Überhaupt die Kosten, wie auf dieses Herkunftsbuch legt der Film starken Wert auf das Dauerthema des Geldes. Alles würde nach ökonomischen Gesichtspunkten organisiert und geplant. Ein Geld verdient das Waisenhaus mit Konzerten. Da ist gerade die Konkurrenz dabei, der Pietà den Rang abzulaufen, diese sind gut besucht, aber der Konkurrent ist voll bis zum letzten Platz. Abhilfe ist nötig.
Die Überlegung geht dahin, den bekannten und ambitionierten Vivaldi (Michele Riondino) zu engarieren, der an den Höfen Europas wenig Fortüne hat. Das Waisenhaus geht davon aus, dass es dieses Talent schamlos ausnutzen kann. Außerdem ist er kränkelnd.
Vivaldi lässt die Mädchen vorspielen und wählt Cecilia (Tecla Insolia) als erste Geige aus. Die ist erstaunt, weil sie just das vermeiden wollte. Sowieso ist sie bereits Sanfermo (Stefano Accorsi) versprochen, auch das ist ein Geschäft des Waisenhauses. Sanfermo ist aber noch im Krieg. Er ist ein gelobter Kämpfer. Sobald der Krieg vorbei sei, werde die Heirat stattfinden.
Vivaldi entscheidet sich trotzdem für Cecilia als erste Geige. Derweil entwickelt sich das Verhältnis zwischen Cecilia und Vivaldi stetig durch die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit.
Der Hauptkonflikt wird entstehen, wenn der Krieg vorbei ist, zu einem Zeitpunkt höchst erfolgreichen Vivalditums im Waisenhaus, und Cecilia heiraten soll. Dieser Konflikt wird nicht mit Fingerzeig betont, er läuft wie nebenher in der breiten Schilderung der Atmosphäre im Waisenhaus, des enormen Kostümaufwandes, von Konzerten und Proben und einem Techtelmechtel von Cecilia mit einem Mann, Knecht oder Handwerker, egal. Der Film vertüdelt sich direkt in Verliebtheit im Inszenieren barocker Kostüm-, Musik- und Bauwerkopulenz. Fast scheint es, als sei Vivaldi mehr ein Marketinggag.