The North

Zen

Zuschauen, entspannen, nachdenken hieß einmal ein Fernsehprogramm, nächtens gesendet, nicht allzu anstrengend, aber anregend und auf gar keinen Fall dramatisch oder aufregend.

Unter diesem Begriff könnte man gut und gern diesen Film von Bart Schrijver subsumieren. Allein das Grün Schottlands, das die beiden Protagonisten Chris (Bart Harder), muttersprachlicher Holländer, und Lluis (Carles Pulido), muttersprachlicher Spanier, etwa einen Monat lang durchwandern, entspannt die Augen ungemein.

Chris und Lluis waren Jugendfreunde, stehen seit zehn Jahren im Leben, und wollen diese Erfahrung der gemeinsamen Wanderung wagen, den Nord-Weg bis zum Cape Wrath.

Chris ist ein Büromensch geworden, seine überfordert zurückgelassenen Mitarbeiter rufen ständig an. Lluis schlägt sich als Hochzeitsfotograf durch, scheint eine Krise zu haben.

Das Schöne an dieser Art Wanderung und dem entsprechend extensiven Film darüber ist, dass eben nicht alles ausgesprochen, nicht alles besprochen, nicht alles geklärt werden muss. Dass man ellenlang schweigend hintereinanderher marschieren kann mit den Wanderstöcken und dem schweren Rucksack auf dem Rücken.

Sie schlafen in einem kleinen Zelt. Sie sind bei jedem Wetter unterwegs, bei Sturm, Regen, Sonnenschein und für den Kinobesucher ist angenehm, dass er die Mücken nicht zu spüren bekommt, die sie tagelang plagen und gegen die sie ein Netz über dem Kopf tragen.

Es gibt Begegnungen mit anderen Wanderern, wenige Gespräche, die um mehr als das direkt Alltagsnützliche hinausgehen. Über allem schwebt bei solchen Unternehmungen immer die Frage nach dem Lebenssinn, aber auch diejenige nach Gemeinschaft.

Direkt abenteuerlich wirkt es, wenn die beiden sich entschließen, nicht mehr nach Handy und Navy sich zu orientieren, sondern anhand von guten alten Landkarten; denn die Gegend kann sehr einsam werden, steinig und stotzig, trotzdem ist das Meer immer in der Nähe. Nicht immer muss das Zelt aufgebaut werden, ab und an bieten auch Steinhütten Obdach.

Vom Sound her nutzt der Film O-Töne und motzt die je nach Gemütslage seiner Protagonisten mächtig auf, sei es das Donnern der anstürmenden Meereswellen oder das Knarzen einer defekten Luftmatratze. Bei aller Freiheit, die so eine Wanderung bietet, ganz frei von Knatsch oder Kummer ist sie nicht. Ein Farbknaller in der Landschaft sind die roten Gummischuhe von Lluis, die an seinem Rucksack baumeln.

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