Das konservativ bürgerliche Familienideal
Maddie (Lou Llobell) und Tyler (Jacob Scipio) sind das makellose, frische, junge, ordentliche Paar, das sich zusammen auf eine Abenteuerreise im Wohnwagen macht. Sie träumen vom späteren Familienglück, Häuschen, keine Hintergedanken, keine Exzesse, alles ordentlich.
Da wir im Horrorfilmgenre uns bewegen, das gibt der Film mit einer einführenden, einwandfrei gemachten Horrorszene nachts im einsamen Wald zu verstehen, wird diese junge, traumhafte Liebe gut dosiert immer wieder auf die Probe gestellt, mit dem Grauen konfrontiert.
Es ist eine Figur (Joseph Lopez), die immer wieder auftaucht und einfach dasteht; es ist der unerwünschte, störende Passagier. Mag symbolisch für den Horror stehen, der sich in eine jede Beziehung einschleichen kann. Er ist sozusagen eine Möglichkeit, eine Denkbarkeit. Unklar, ob real oder eingebildet.
Genrekorrekt fährt das Paar in diesem Film von André Ovredal nach dem Drehuch von T. W. Burgess und Zachary Donohue immer wieder in den gefährlichen Wald, in die Dunkelheit, es sucht förmlich die Provokation mit dem Spuk, die es dann auch prompt bekommt.
Man stelle sich ein junges Liebespaar auf dem Rummelplatz in der konventionellen Geisterbahn vor: nichts dürfte die Liebenden stärker aneinanderpressen als der Nervenitzel; nichts kann die Liebe stärker formulieren. Das dürfte jungen, verliebten Paaren im Kino so ergehen bei diesem Streifen, der sein Eintrittsgeld wert ist, weil er sorgsam und gekonnt umgeht mit dem Genre.
Das Paar fährt zum Festival „Burning Van“ (dürfte sich am bekannten Burning Man orientieren).
Der Film engagiert als starke, mahnende und das Ungeheuerliche beschwörende Figur die Marketenderin Betty (June Clemons), die den Schrecken im Kopf der Protagonisten und des Zuschauers ansetzt wie ein Gärtner den Pflanzensetzling im Treibhaus. Durch den jungen, frischen, physisch präsenten Hauptcast kommt das Horrible wie selbstverständlich als attraktiver Gegensatz zum Tragen.