Unterhaltsames Ablenkkino
Guy Ritchie entführt uns gute anderthalb Stunden in die Welt der Superreichen. Ein Thema, was durchaus virulent ist, die ungleiche Verteilung des Reichtums, die Macht der Superreichen und ihre Tricks mit Geld.
Teils wirkt der Film wie ein illustrierter Abriss der Befunde von Recherche-Journalisten wie der Panama-Files, teils suhlt er sich in gekonnter Action, die insofern genießbar ist, als sie schön vorbereitet wird.
Die beiden Beschützer und Verteidigungshirne der Protagonistin Sophia (Eiza González mit einem Gesicht, was viele als Schönheitsideal bezeichnen würden), Bronco (Jake Gyllenhaal) und Sid (Henry Cavill), bereiten auf der Sonneninsel Flucht- und Verteidigunsstrategien für alle Fälle vor, auf der Insel, auf der der Multimilliardär Braxton (Darrell D’Silva) so residiert, wie man es sich von den Superreichen vorstellt, mit Pool und Meeresblick, Helikopterlandeplatz und einer kleinen Privatarmee sowieso mit einer gekauften Polizei.
Braxton hatte sich von einem anderen Superreichen eine Milliarde geliehen und zögert nun, diese zurückzuzahlen. Sein Wauwau in der Finanzwelt ist Horowitz (Fisher Stevens), ein spießiger Buchhaltertyp mit (fast) allen Wasser gewaschen.
Der Schuldner will das Geld über eine New Yorker Anwaltskanzlei einziehen lassen. Die Chefin dort ist Rosamund Pike. Sie residiert in einem Wolkenkratzerbüro, was mit mondän beschrieben noch eine Untertreibung ist. Nachdem ihr letzter Eintreiber sein Leben auf der Insel bei Braxton gelassen hat, will sie Sophia engagieren. Die ist knallhart und holt einen Superdeal für die lebensgefährliche Mission heraus.
Mit Sid und Bronco und wenigen Getreuen, auf die Sophia sich absolut verlassen kann, infiltriert sie die Geschäfte von Braxton. Sie kommt dessen Geldversteck bei Wolfgang (Mohammed Al Turki) auf die Spur. Dazu helfen ihr Wanzen und Computerhackereien ihrer Mitstreiter.
Guy Ritchie inszeniert gut nachvollziehbar die Planungen von Sophia, wie sie die Situation analysiert, wie sie eine Methode à la Trojanisches Pferd einsetzt. Ein Teil der Methode ist es auch, internationales Recht zu bemühen und das funktioniert hier erstaunlich gut und oft; denn es gibt durchaus Zugriffsmöglichkeiten auf Assets.
Ein Stück weit ist dieses Kino so besehen sogar ein Erklärkino. Mehr aber ist es ein Heldenkino, Sophia ist die makellose Heldin, die sich mit den richtigen Leuten umgibt und die Story ist dann doch mehr Kinomärchen als Reality-TV, wenn auch so einiges aus einer nicht lupenrein ehrlichen Reichenwelt einfließt.