Spätfolgen einer Invasion
Was Iran heute erlebt, den Angriff von außen mit dem Ziel, die politische Führung zu eliminieren, das hat Irak 2003 schon durchgemacht, den Angriff von USA und England mit dem Ziel, den Diktator zu entfernen. Das ist damals auch gelungen. Die Folgen sind verheerend bis heute. Aber der Irak ist vom Radar der Schlagzeilen verdrängt worden durch den Ukrainekrieg, den Gazakrieg oder neuerdings den Irankrieg.
Der Film von Maja Tschumi bringt ein ganz klein wenig Licht in die jüngere Geschichte des Irak. Dort hat sich 2019 die Jugend erhoben. Die Revolution ist blutig niedergeschlagen worden, immerhin ist der Premierminister zurückgetreten.
Aus der Zeit berichten zwei Protagonisten. Es sind dies eine junge Frau und feministische Aktivistin und ein junger Mann, ein Fotograf. Beide waren 2019 dabei. Von dieser Revolution gibt es Originalbilder. Es herrschte erst eine Fest- und Aufbruchstimmung. Die Jugend will die Bevormundung des Landes loswerden. Die junge Frau will das Land verlassen. Aber sie hat keine Papiere. Die Familie verweigert sie ihr. Sie hat ihre sämtlichen Sachen wegen der Revolution verbrannt, Papiere, Kleider und die Familie hat sie ein Jahr lang im Zimmer eingesperrt. Das Gesetz ist zwar auf der Seite der jungen Frau, mit über 20 Jahren ist sie erwachsen und mündig. Aber die Familie, ein Clan der enge Beziehungen zur Regierung hat, kümmert sich nicht um die Gesetzeslage. Die junge Frau berät andere junge Frauen, die Gewalt in der Familie erleben.
Der junge Mann dokumentiert die Revolution und deren Niederschlagung am Thahir-Platz mit Go-Pro, Handy und einer Kamera an vorderster Front. Mehrfach wird er verletzt. Die Kameras filmen weiter, wie er versorgt wird, wie er gleich wieder weiterfotografieren möchte. Auch er stammt aus einer großen, namhaften Familie.
Der Film ist eine Mischung aus Originalfootage und aus Szenen, die nach der Erinnerung nachgestellt worden sind. Die sind besonders schön fotografiert. Der Fotograf nennt sich Khalil, die junge Frau müsste Milo sein.