Mogli unter Straußen –
Gezielt auf Rührung
„Nach einer wahren Begebenheit“ steht bei den Titeln dieses Filmes von Gilles de Maistre nach dem Drehbuch von Prune de Maistre (Der Wolf und der Löwe).
Es ist die Geschichte von dem Jungen Hadara, der als Zweijähriger durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mit seiner Mutter und einem Kamel von der Karawane, mit der sie durch die Sahara ziehen, getrennt werden. Der bevorstehende Sturm separiert nun auch Mutter, Kamel und den Buben.
Als Zweijährigen haben die Filmmenschen einen entzückenden Wuschelkopf gecastet, den wohl jeder Zuschauer gleich ins Herz schließen wird und dem wohl auch jeder gleich helfen möchte, wie er allein in der Sandwüste rumkrabbelt und nach Grünzeug und Würmern greift.
Er findet Straußeneier, unbewacht. Dann kommt das Straußenpaar. Sie helfen dem Buben nicht nur vor dem Sturm. Sie zertreten ihm auch einen Skorpion, damit er was zu essen hat. Er kann sich zum Schlafen in das Gefieder eines der Strauße kuscheln und bei ihren Wanderungen, darf er auf einem reiten.
Das Kind findet einen weiteren Kameraden, noch eine Rührgeschichte, ein verwaistes Wüstenfüchslein schließt sich Hadara und dem Straußenclan an. Nicht eine Szene ohne Rührabsicht.
Die Musik kennt keine Grenzen des Entzückens und der Wohlklänge im Hinblick auf den zu illustrierenden und massiv zu versüßenden Plot. Der Junge wächst heran.
Die Filmemacher besetzen ihn mit anderen prototypisch süßen Jungs, die an Mogli oder an einen Indianerjungen erinnern. Schön züchtig trägt er einen Lendenschurz aus Stoff, der zwölf Jahre lang keinerlei Verschleißerscheinungen zeigt und mit dem Jungen mitzuwachsen scheint.
Die Begegnung mit Menschen kann nicht ausbleiben. Der Filmer Christian (Kev Adams) stößt mit Hilfe des Einheimischen Ibrahim (Faical Elkihel) auf Spuren des Jungen, schließlich auf diesen selbst (mit 12 Jahren: Nahel Tran). Irgendwie muss die Geschichte den Menschen ja zu Ohren gekommen und in die Welt gesetzt worden sein.
Drum herum baut der Film eine Rahmenhandlung von einer 15-jährigen Frau, Sun (Neige de Maistre). Sie hat die Geschichte von ihrem Opa erzählt bekommen und nach dessen Tod aufgeschrieben. Das ist veröffentlicht worden und sie hat mit ihrer Geschichte einen wichtigen Literaturpreis gewonnen samt einer Einladung nach Afrika. Hier erwartet sie eine Überraschung, die einen weiteren Rühreffekt zeitigt.